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Zu spät, zu wenigExperten zweifeln an Wirksamkeit von Alain Bersets Corona-Paket

Am Mittwoch könnte der Bundesrat die Corona-Regeln schweizweit weiter verschärfen. Epidemiologen befürchten allerdings, dass die vorgeschlagenen Massnahmen nicht mehr ausreichen.

von
Claudia Steiger
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Gesundheitsminister Alain Berset schlägt den Kantonen folgende Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus vor:

Gesundheitsminister Alain Berset schlägt den Kantonen folgende Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus vor:

KEYSTONE
Eine Maskenpflicht im Freien, wie sie zum Beispiel Deutschland in Teilen schon kennt …

Eine Maskenpflicht im Freien, wie sie zum Beispiel Deutschland in Teilen schon kennt …

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Auch am Arbeitsplatz soll eine flächendeckende Maskenpflicht gelten.

Auch am Arbeitsplatz soll eine flächendeckende Maskenpflicht gelten.

REUTERS

Darum gehts

  • Gesundheitsminister Alain Berset will die Corona-Massnahmen schweizweit verschärfen.

  • Sein Paket gleicht den Empfehlungen der Corona-Taskforce.

  • Die neuen Regeln könnten allerdings bereits nicht mehr ausreichen, warnt eine Epidemiologin.

Mit einem neuen Megapaket will Gesundheitsminister Alain Berset schweizweit die Ausbreitung des Coronavirus bekämpfen. So soll die Maskenpflicht ausgeweitet werden – auf alle öffentlich zugänglichen Innenräume und im Freien auf Siedlungsgebiete. Zudem soll es bei öffentlichen Anlässen eine Obergrenze von 50 Personen geben. Laut Informationen der «SonntagsZeitung» wären davon auch Fussball- und Eishockeyspiele betroffen. Nachtclubs sollen geschlossen werden und Restaurants dürften nur noch bis 22 Uhr offen bleiben.

Für Lukas Engelberger, Präsident der kantonalen Gesundheitsdirektoren-Konferenz, zielen die Massnahmen, über die der Bundesrat am Mittwoch entscheiden will, in die richtige Richtung, wie er gegenüber der «SonntagsZeitung» sagt. Das Ziel müsse sein, dass der Bundesrat schweizweit gültige Massnahmen beschliesse, wie sie in der Westschweiz und im Kanton Bern bereits in Kraft gesetzt worden seien. «Nur so bekommen wir die Pandemie unter Kontrolle», so der Basler Regierungsrat.

«Massnahmen könnten bereits nicht mehr ausreichen»

Noch bevor der Bundesrat das Massnahmenpaket beschlossen hat, äussern Experten allerdings Zweifel an der Wirksamkeit. «Die vorgeschlagenen Massnahmen könnten bereits nicht mehr ausreichen», sagt Nicola Low, Epidemiologin an der Universität Bern und Mitglied der wissenschaftlichen Corona-Taskforce des Bundes.

Low räumt zwar ein, dass Bersets Vorschläge den Empfehlungen der Taskforce gleichen. Das Problem sei aber, dass in der aktuellen Situation jeder Tag zähle und es «mit jedem Tag Zuwarten, schwieriger wird, die zurzeit hohe Anzahl Infektionen zu bremsen».

Die Epidemiologin verweist auch auf die langen Wartezeiten für Corona-Tests. Am Berner Inselspital hätten die Menschen am Samstag zwei Stunden warten müssen, bis sie getestet worden seien. Die Taskforce drängt den Bundesrat schon seit Tagen, rascher zu handeln.

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