Aktualisiert 16.10.2013 10:47

Gefährliche SchnäppchenExperten warnen vor Billig-Pneus aus China

Der Winter kommt und mit ihm der Reifenwechsel. Laut Garagisten kaufen immer mehr Leute ihre Pneus im Internet. Sie sind teilweise von beängstigend schlechter Qualität.

von
N. Jecker
Anstatt in der Garage kaufen immer mehr Autofahrer ihre Pneus billiger im Internet.

Anstatt in der Garage kaufen immer mehr Autofahrer ihre Pneus billiger im Internet.

Ein Winterpneu für nur 50 Franken: Was beim Fachhändler in der Schweiz teilweise das Doppelte kostet, gibt es im Internet zum Schnäppchenpreis. Mehrere Online-Plattformen bieten in der Schweiz Autoreifen aus aller Welt – oft aus China und anderen asiatischen Ländern – zum Billigtarif an. Laut Garagisten wollen davon immer mehr hiesige Autofahrer profitieren und erscheinen mit online erstandenen Pneus zur Montage.

In der Branche hat man keine Freude an diesem Trend – nicht nur, weil den Betrieben dadurch Umsatz entgeht. Die teilweise minderwertigen Materialien sowie die schlechte Verarbeitung bereiten den Fachleuten Bauchschmerzen. Die Discount-Reifen hätten oft einen längeren Bremsweg oder könnten platzen, warnen die Garagisten. «Die Leute sind teils mit No-Name-Reifen von katastrophaler Qualität hergekommen», so Peter Zeller vom Pneuhuus Wädi in Richterswil. «Von der Form her sahen die teilweise aus wie Eier und sie liefen furchtbar schlecht.» Für so etwas wolle man keine Verantwortung übernehmen. Das Pneuhuus montiert deshalb nur Pneus, die der Betrieb selbst verkauft hat.

Kunden müssen Formular unterschreiben

Das Pneuhaus Frank in Sursee schickt solche Klientel ebenfalls weg. «Das rentiert nicht und ist zu riskant», sagt ein Mitarbeiter. «Zu einem Koch kommt man ja auch nicht mit selbstgekauften Nahrungsmitteln, damit er sie zubereitet. Genauso wie ein Koch wollen auch wir wissen, dass die Qualität der Produkte, mit denen wir arbeiten, stimmt.» Bei Ruckstuhl in Jona weist man Kunden mit online erworbenen Pneus zwar nicht weg. Je nach Zustand der Reifen müssen sie aber ein spezielles Formular unterschreiben. «Damit bestätigt der Kunde, dass wir nur fürs Montieren zuständig waren», sagt Mechaniker René Brummer gegenüber der «Zürichsee-Zeitung».

Der TCS rät generell, Produkt und Montage aus einer Hand zu beziehen. «So hat man einen Ansprechpartner, falls Probleme auftauchen», sagt Sprecher Stefan Lehmann. «Unsere Beobachtungen haben zudem ergeben, dass die Preise auf den Reifenhandelsplattformen stark schwanken.» Wer trotzdem im Internet kaufen möchte, dem empfiehlt der Touring Club, eine Internet-Plattform mit Hauptsitz in der Schweiz zu wählen. Von auffällig günstigen Pneus, die nur im Internet zu erwerben sind, rät Lehmann ganz ab.

Winterpneu montiert?

Kürzungen bei Versicherungsschutz

Sich daran zu halten, dürfte sich lohnen: Wer über die schlechte Qualität seiner Reifen Bescheid weiss und damit einen Unfall verursacht, muss allenfalls tief in die Tasche greifen: «Dann könnten die Schadenszahlungen gekürzt werden», sagt Manuel Inderbitzin von der Mobiliar zu 20 Minuten. Noch sei ein derartiger Fall aber nicht eingetreten.

Wie der TCS Winterreifen auf ihre Qualität überprüft, sehen Sie im Video:

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