Neues Preismodell: Experten warnen vor Flugticket-Abzocke
Aktualisiert

Neues PreismodellExperten warnen vor Flugticket-Abzocke

Die Airlines wollen die Flugticket-Buchung personalisieren. In der Branche warnt man vor Abzocke - und vor Problemen beim Datenschutz.

von
Laura Frommberg
Ticketkauf bei der Swiss: Das Projekt befindet sich noch in der Anfangsphase.

Ticketkauf bei der Swiss: Das Projekt befindet sich noch in der Anfangsphase.

Flugticket ist nicht gleich Flugticket. Das wissen inzwischen fast alle Passagiere, die im Netz nach geeigneten Angeboten suchen. Je nach Reisetag, Uhrzeit, Buchungszeitpunkt und gewünschten Extras kann sich der Preis von Ticket zu Ticket deutlich unterscheiden. Doch beim Schweizerischen Reisebüro-Verband fürchtet man noch Schlimmeres: Auch für verschiedene Reisende könnten bald unterschiedliche Ticketpreise gelten – auch wenn sie dasselbe suchen.

Der Grund: Der internationale Airline-Verbund (IATA), bei dem auch die Swiss Mitglied ist, kündigte einen neuen Vertriebsansatz an. Eine gute Sache, wenn man der IATA glaubt: Jedem Passagier sollen dank Datenspeicherung passende Produkte offeriert werden. Fliegt man zum Beispiel beruflich oft in der Business Class und bucht privat die Holzklasse, dann bietet die Fluggesellschaft automatisch ein Upgrade an. Zum Aufpreis von ein paar Hundert Franken.

«Klarer Hintergedanke»

Doch dahinter versteckt sich auch eine Gefahr, so Walter Kunz, Geschäftsführer des Reisebüro-Verbands. «Wir schauen mit Argusaugen auf diese Entwicklung», so der Verbandschef. Der Hintergedanke dabei: Man wolle einen gläsernen Kunden schaffen. Die freie Abrufbarkeit der besten Preise stehe auf dem Spiel. Das beunruhige die Branche, so Kunz.

Denn es könne sein, dass bestimmte Passagiere in der Folge diskriminiert würden. Ein Beispiel: Ein Kunde fliegt jedes Wochenende nach Deutschland, um bei seiner Familie zu sein. Ein anderer plant eine einmalige Reise. Wenn nun beide Kunden gleichzeitig buchen, könnte es passieren, dass der Vielflieger einen deutlich höheren Preis hinblättern muss, weil er auf eben diesen Flug vom Freitagnachmittag angewiesen sei.

Swiss hält dagegen

Christian Laesser, Professor am Institut für systemisches Management an der Hochschule St. Gallen, stimmt zu. «Es besteht die Gefahr, dass bei jedem Kunden das Maximale abgeschöpft wird», erklärt er. Bei der Swiss hingegen sieht man das anders. «Der Kunde wird auch künftig immer die Möglichkeit haben, bei Swiss ohne Kundenprofil einen Flug zu buchen», so Sprecherin Myriam Ziesack. «Wie die weiteren Ausprägungen von personalisierten Angeboten aussehen, ist bis jetzt nicht bekannt und hat grundsätzlich keinen Zusammenhang mit der neuen Technologie.» Schliesslich würde man sich auch ins eigene Fleisch schneiden, wenn man bei einigen Kunden höhere Preise ansetze. «Die Transparenz von Angeboten ist wichtig und wird durch die heutigen Vergleichsmöglichkeiten die das Internet bietet, noch erhöht.»

Auch was den Datenschutz betreffe, ist man in der Branche besorgt. «Es ist eine Blackbox», so Walter Kunz. Niemand wisse, was schlussendlich mit den Daten geschehen soll. Swiss-Sprecherin Ziesack beruhigt: «In der Schweiz sind die Bestimmungen ganz klar geregelt. Natürlich halten wir uns daran.»

Noch ganz am Anfang

Wann das alles eintritt, ist noch unklar. «Das Projekt befindet sich in einer Startphase», erklärt Myriam Ziesack. Viele Detailfragen müssten noch geklärt werden. Momentan steht der Einführungstermin 2016 im Raum.

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