Superdosis pro Pille: Experten warnen vor starkem Ecstasy

Aktualisiert

Superdosis pro PilleExperten warnen vor starkem Ecstasy

Die Szeneorganisation Eve & Rave warnt vor neuen, hochdosierten MDMA-Pillen. Zudem ist Ecstasy mit unerwarteten Wirkstoffen im Umlauf.

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STH/ROM
Drei der gefährlichen Pillen.

Drei der gefährlichen Pillen.

Sie heissen Pac-Man oder Herz, doch ihre Wirkung ist nicht herzig, sondern heftig: Streetwork Zürich und die Szeneorganisation Eve & Rave warnen vor diesen Ecstasy-Pillen wegen ihrer hohen Dosierung des glücklich machenden Wirkstoffs MDMA. Neue Tests zeigen, dass in einer «Pac-Man» 143,9 Milligramm MDMA, in einer «Herz» sogar 152,1 Milligramm enthalten sind. «Über 120 Milligramm MDMA können zu viel sein und zu Krampfanfällen führen», sagt Koni Wäch, Vorstandsmitglied von Eve & Rave. «Gerade für junge, unerfahrene Konsumenten ist das gefährlich.» Wer die Finger nicht von Drogen lassen könne, solle diese vorher testen lassen.

Auch in Bern wird der Trend bestätigt: «Seit gut einem Jahr stellen wir vermehrt eine Veränderung in der Dosierung der Ecstasy-Tabletten fest», sagt Hannes Hergarten, Mitarbeiter im Nightlifeprojekt «Rave it Safe» der Stiftung Contact Netz. Im letzten halben Jahr seien vereinzelt Pillen mit über 200mg MDMA getestet worden - die doppelte Menge einer gewöhnlichen Dosis für einen erwachsenen Mann.

Hohe Dosen

Über die Gründe für diese Entwicklung können auch die Experten nur mutmassen: «Vermutlich ist es für Produzenten wieder einfacher, an MDMA zu gelangen», so Wäch. Allerdings sei der Pillenkonsum hierzulande weit niedriger als etwa in Deutschland. «Unsere Partygänger bevorzugen MDMA in Kristallform, weil es meist weniger verunreinigt ist.» Bei Pillen sei der Inhalt oft unklar.

Toyota und Armani

Streetwork-Betriebsleiter Christian Kobel bestätigt, dass in einigen Pillen unerwartete Substanzen entdeckt wurden. So sind zurzeit Ecstasys namens Toyota im Umlauf, die neben MDMA auch PMMA enthalten. Bei zu hohem Konsum davon kann es zu Vergiftungserscheinungen kommen. Gar kein MDMA fanden die Tester in so genannten Armani-Pillen – dafür die Substanz TFMPP. «Diese ist noch wenig erforscht», sagt Kobel. TFMPP wirke langsamer, wodurch viele nachlegen würden. «Die Folge davon sind hohe Dosierungen, die unter Umständen zu einer lebensgefährlich verlangsamten Atmung führen können.»

«Die Pillen sind für Einsteiger gefährlich»

Wo kommen die hoch dosierten Ecstasy-Pillen her?

Koni Wäch: Das wissen wir nicht genau. Pillen hatten für lange Zeit einen schlechten Ruf, nun ändert sich das gerade. Konsumenten wechseln von der Kristall- wieder auf die Pillenform, seit diese höher dosiert werden. Generell kann man sagen, dass der Grossteil von Ecstasy-Pillen seinen Weg aus Holland und dem asiatischen Raum in die Schweiz findet.

Wie gelangen diese Pillen in den Umlauf?

Es ist nicht so, dass neue Leute damit auf den Markt drängten. Es sind die selben Dealer, welche auch bisher in der Schweiz tätig waren.

Gab es in der Schweiz schon Todesfälle?

Nein. Es ist Wintersaison und die Leute konsumieren weniger. Im Sommer, wenn es mit den Open Airs losgeht, wird der Bedarf sicher ansteigen. Wir haben eine Warnung veröffentlicht, weil die hoch dosierten Pillen für Einsteiger gefährlich sind.

Wie können Konsumenten verhindern, dass sie hoch dosierte Pillen erwischen?

Leider ist das von den meisten Konsumenten gar nicht gewünscht. In jedem Fall ist es wichtig, sich zu informieren.(sth)

Koni Wäch ist im Vorstand der Szeneorganisation Eve & Rave.

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