Aktualisiert 13.01.2014 23:36

Zerpflückte TheorieExperten: Wölfe wurden nicht ausgesetzt

Bewohner am Calanda sind überzeugt: Der Wolf wurde von Tierschützern ausgesetzt. Experten widersprechen dieser Theorie.

von
tso
Der Bündner Wildbiologe und Jagdverwalter Hannes Jenny zerpflückt die wilden Theorien der Calanda-Bewohner.

Der Bündner Wildbiologe und Jagdverwalter Hannes Jenny zerpflückt die wilden Theorien der Calanda-Bewohner.

«Der Wolf ist nicht von selbst hierhergekommen», sagt eine 35-Jährige aus Tamins. Für sie und viele andere im Dorf ist klar: Jemand hat den Wolf hier ausgesetzt. Keiner will sich namentlich zitieren lassen, seit mehrere Dörfler mit dem Tod bedroht wurden (20 Minuten berichtete).

Auch in anderen Dörfern sind die Meinungen gemacht: «Entweder Tierschützer oder sonst irgendwelche Spinner aus dem Unterland haben uns den Wolf gebracht», sagt etwa ein Landwirt aus Vasön. Ein Jäger aus der Region meint: «Auf einmal waren die Wölfe da. Es gab weder Spuren noch Sichtungen. Auf dem Weg hierher hätten die Tiere doch sicher Schafe gerissen.»

DNA zeigt: Mit Walliser Wolf verwandt

Diese Theorie hält Hannes Jenny, Bündner Wildbiologe und Jagdinspektor, für «sehr unwahrscheinlich.» Es müsse nicht sein, dass der Wolf auf seiner Wanderung Schafe reisst. DNA-Spuren aus Kotproben hätten zudem ergeben, dass das Calanda-Rudel mit den Walliser Wölfen verwandt sei. Jenny: «Der Calandawolf kommt aus dem Wallis.»

Dass Tierschützer einen Wolf einfangen und irgendwo aussetzen könnten, glaubt Jenny nicht: «Nur Profis können das. Dazu braucht es aufwendige Vorbereitungen und spezielle Ausrüstung.» Hans Gadient, Präsident der Jägersektion Calanda sagt zur Aussetzungstheorie: «Ein Wolf kann über Nacht ungesehen über hundert Kilometer zurücklegen. Dann taucht er unvermittelt in einem entfernten Gebiet auf.» Jenny: «Solche Theorien gab es auch in Italien, sie erwiesen sich als falsch.»

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