Aktualisiert 21.03.2011 14:58

LibyenkriseExperten wollen Tamoil-Gelder blockieren

Da die Erdölfirma Tamoil Schweiz nicht direkt von Sanktionen gegen Libyen betroffen sind, befürchten Experten, dass weiterhin Geld zu Gaddafi gelangt.

Laut dem Strafrechtsprofessor Mark Pieth hat der Gaddafi-Clan grosse Kontrolle über Tamoil Schweiz.

Laut dem Strafrechtsprofessor Mark Pieth hat der Gaddafi-Clan grosse Kontrolle über Tamoil Schweiz.

Die Erdölfirma Tamoil Schweiz ist nicht direkt von den Sanktionen gegen die libysche Führung betroffen. Gemäss einem Experten besteht deshalb die Gefahr, dass die Firma direkt oder indirekt Geld an den Gaddafi-Clan weiterleitet.

«Es ist grösste Vorsicht geboten», sagte Mark Pieth in einem Interview, das am Samstag in den Zeitungen «24heures» und «La Tribune de Genève» erschien. Der Basler Strafrechtsprofessor Pieth ist Präsident der OECD-Expertengruppe gegen Unternehmenskorruption. Er forderte im Interview die Blockierung der Gelder von Tamoil Schweiz.

Nach der Verhaftung von Hannibal Gaddafi im Sommer 2008 habe sich «die Kontrolle, welche der Gaddafi-Clan auf das Unternehmen habe, klar gezeigt», sagte Pieth. Denn: Während einer Blockade von zwei Tagen sei kein libysches Öl mehr an Tamoil geflossen. Diese Tatsache rechtfertige eine Einfrierung der Gelder.

Tamoil Schweiz nur indirekt mit Libyen verbunden

Tamoil Schweiz sei nur indirekt mit Libyen verbunden, hatte kürzlich Tamoil-Sprecher Laurent Paoliello betont. Das gesamte Aktienkapital wird von der Tamoil Gruppe gehalten, die ihren Sitz in Monaco hat. Die Gruppe wiederum ist im Besitz des von Libyen kontrollierten und in Holland angesiedelten Unternehmens Oilinvest.

Pieth forderte die Schweizer Banken auf, genau darauf zu achten, ob beispielsweise der Präsident des Verwaltungsrats von Tamoil Schweiz Personen auf der Sanktionsliste finanziell unterstützen könnte. Er erinnerte im Interview auch daran, dass die britische Marine kürzlich ein Schiff auf dem Weg nach Libyen aufgegriffen habe - mit umgerechnet rund 151 Millionen Franken in bar an Bord.

(sda)

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