Aktualisiert 17.09.2007 11:25

Explosion bei Gesundheitskosten

Die Gesundheitskosten in der Schweiz sind im ersten Halbjahr 2007 stark angestiegen. Auf die Krankenkassenprämien 2008 hat dieser Kostenschub - noch - keinen Einfluss. Für das Jahr 2009 drohen aber düstere Aussichten.

Die Gesundheitskosten in der Schweiz sind im ersten Halbjahr 2007 laut Berechnungen des Krankenversicherer-Verbandes santésuisse stark angestiegen. Auf die Krankenkassenprämien 2008 soll dieser Kostenschub aber noch keinen Einfluss haben.

Die Prämienrunde 2008 werde trotz dieser Entwicklung und nicht zuletzt dank des Einsatzes von Reserven moderat ausfallen, sagten santésuisse-Präsident Christoffel Brändli und santésuisse-Direktor Fritz Britt am Montag vor den Medien in Bern. Das Bundesamt für Gesundheit veröffentlicht die Prämien für 2008 Ende dieses Monats.

Wachstumsraten wie in früheren Jahren

Für die Prämien 2009 sieht die Situation aufgrund der bisher vorliegenden Zahlen aber anders aus. «An der Prämienfront zeichnen sich düstere Gewitterwolken ab», umschrieb Brändli die Situation. Erste Trends der Kostenentwicklung in der Grundversicherung für 2007 hätten Wachstumsraten wie in den Jahren 2004 und 2005 gezeigt.

Wenn die Kosten in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung im gleichen Tempo weitersteigen, so muss laut Britt mit einer Wachstumsrate von 5 bis 8 Prozent gerechnet werden. Besonders stark stiegen die Kosten in den Bereichen Spital ambulant (13,4 Prozent), Spitex (12,8) und Spital stationär (8,2).

Unterschiedliche Perspektiven

Je nach Berechnungsart fällt der Anstieg der Kosten im ersten Halbjahr 2007 gesamthaft gesehen unterschiedlich aus. Bezogen auf den Behandlungsbeginn der einzelnen Fälle stiegen sie um 7,6 Prozent; ermittelt nach dem Abrechnungsdatum betrug der Anstieg nur 4,7 Prozent.

Künftig will santésuisse seine Statistiken deshalb nur noch nach dem Behandlungsbeginn ausweisen. Diese Perspektive liege wesentlich näher bei der realen Kostenentwicklung, sagte Britt. Die Kosten würden dann erfasst, wenn sie auch tatsächlich anstünden.

Zu schaffen macht den Krankenversicherern die vom Bundesrat verordnete Senkung der Mindestreservequote. Für die Prämienrunde 2008 müssten Reserven eingesetzt werden, so dass für die Prämien 2009 kaum solche zur Verfügung stünden. Die Kostenentwicklung 2008 werde sich demzufolge voll auf die Prämien 2009 durchschlagen.

«KVG-Revision korrigieren»

Vor dem Beginn der Herbstsession der eidgenössischen Räte mit wichtigen gesundheitspolitischen Dossiers in beiden Kammern, legten die santésuisse-Vertreter auch ihre politischen Forderungen auf den Tisch. «Wesentliche Korrekturen» verlangt Brändli bei der Behandlung von zwei Teilvorlagen der KVG-Revision.

Die kleine Kammer, der Brändli selber angehört, behandelt die Differenzen bei der Spital- und der Pflegefinanzierung. Die vom Nationalrat beschlossene Vollfinanzierung der Akut- und der Übergangspflege führe zu falschen Anreizen, indem Kosten gedeckt, statt Leistungen bezahlt würden, sagte Brändli.

Ein solches System fördere die Ausweitung der Leistungen und führe zu Mehrkosten von einer Millarde Franken für die Prämienzahler. Bei der Spitalfinanzierung fordert Brändli, dass Kantone und Versicherer bei freier Spitalwahl höchstens jenen Tarif der Kosten übernehmen müssen, der im Wohnkanton des Patienten gilt.

Bei der Aufteilung der Kosten der Spitalfinanzierung zwischen Kassen und Kantonen plädiert Brändli dafür, dass der Kantonsanteil auf mindestens 60 Prozent festgelegt wird. Werte darunter gingen zulasten der Prämien. Die Frage stelle sich, wieviel über die Prämien und wieviel über die Steuern finanziert werden soll. (sda)

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