Aktualisiert 30.11.2011 13:20

Sabotage-Verdacht

Explosionen im Iran – ein Werk des Mossad?

In kurzer Zeit haben sich im Iran zwei heftige Explosionen ereignet. Offiziell handelte es sich um Unfälle – doch es gibt Indizien für eine Beteiligung des israelischen Geheimdienstes.

von
pbl

Am 12. November war eine Anlage der iranischen Revolutionsgarde westlich von Teheran in die Luft geflogen. Die Detonation war dermassen heftig, dass noch in den Vororten der 50 Kilometer entfernten Hauptstadt die Fensterscheiben klirrten. Offiziell war schnell die Rede von einem Unfall beim Transport von Munition. Der Schaden werde in ein paar Tagen behoben sein, hiess es von Seiten der paramilitärischen Elitetruppe.

Satellitenaufnahmen, die am Dienstag vom privaten Institute für Science and International Security (ISIS) in Washington veröffentlicht wurde, widersprechen diesen Angaben. Sie zeigen, dass «die gesamte Einrichtung zerstört wurde», wie ISIS-Analyst Paul Brannan in einem Interview mit der «New York Times» erklärte: «Nur einige wenige Gebäude sind stehen geblieben.» Exiliranische Kreise hatten eine Munitionsexplosion bereits zuvor ausgeschlossen.

Raketentest als Ursache?

Das lässt neue Spekulationen aufkommen, denn bei der Explosion waren 17 Personen ums Leben gekommen, darunter General Hassan Moghaddam, der als wichtige Figur im iranischen Raketenprogramm galt. Dessen Bruder hatte einer iranischen Zeitung erklärt, die Detonation habe sich während Tests an einer neuen Interkontinentalrakete ereignet. Das ISIS meint, zu dem Vorfall sei es gekommen, «als Iran einen Meilenstein bei der Entwicklung einer neuen Rakete erreicht hatte».

Westliche Beobachter schliessen nicht aus, dass der israelische Geheimdienst Mossad hinter der Explosion steckt, mit der General Moghaddam «ausgeschaltet» werden sollte. «Glauben Sie den Iranern nicht, dass es sich um einen Unfall handelte», sagte eine ungenannte westliche Geheimdienstquelle dem US-Magazin «Time». Es seien noch weitere Sabotageakte geplant, um die Entwicklung einer iranischen Atomwaffe aufzuhalten: «Im Magazin befinden sich noch mehr Patronen», sagte der Geheimdienstler.

Atomanlage im Visier?

Eine wurde möglicherweise bereits abgefeuert, denn am Montag ereignete sich eine weitere Explosion in der Stadt Isfahan. Dort befindet sich eine Anlage zur Urananreicherung. Iranische Regierungsvertreter äusserten sich widersprüchlich: Mal wurde der Vorfall gänzlich bestritten, dann hiess es, die Detonation habe sich während einer militärischen Übung ereignet, und schliesslich war die Rede von einer Explosion an einer Tankstelle.

Doch auch in diesem Fall gibt es Hinweise auf einen Sabotageakt. Die Londoner «Times» berichtete am Mittwoch mit Berufung auf israelische Geheimdienstkreise, die Explosion habe sich «zweifellos» in der Atomanlage ereignet, es habe sich «nicht um einen Unfall» gehandelt. Satellitenbilder sollen den Beleg liefern. Auch Generalmajor Giora Eiland, der ehemalige Vorsitzende des Nationalen Sicherheitsrats, sagte dem israelischen Armeeradio, die Explosion von Isfahan sei kein Unfall gewesen.

Israels verdeckter Krieg

Immer wieder wird über einen Angriff Israels auf das iranische Atomprogramm spekuliert. Die beiden Explosionen könnten darauf hindeuten, dass eine derartige Operation längst im Gang ist – nur dass sie nicht mit Kampfflugzeugen, sondern verdeckt durchgeführt wird. Auch der Computerwurm Stuxnet und die Tötung von iranischen Nuklearforschern könnten Teil einer solchen Operation sein. Verteidigungsminister Ehud Barak jedenfalls sagte nach der Explosion vom 12. November im Armeeradio: «Möge es mehr davon geben.»

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