27.07.2020 14:19

Unerwartetes Party-Ende

Explosions-Angst im Spital, weil Brite Lachgas-Kapsel verschluckt hat

Weil ihm rund 58 Franken geboten wurden, hat ein nicht mehr ganz nüchterner Brite eine Lachgas-Kartusche verschluckt. Die Party endete für ihn auf dem Operationstisch.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Diese Röntgenaufnahme zeigt, was Notärzte in einem britischen Spital in helle Aufregung versetzte: Im Magen ihres 22-jährigen Patienten steckte eine Lachgas-Kartusche.

Diese Röntgenaufnahme zeigt, was Notärzte in einem britischen Spital in helle Aufregung versetzte: Im Magen ihres 22-jährigen Patienten steckte eine Lachgas-Kartusche.

Facebook/Mirror
Die metallenen Kapseln dürften dem meisten Menschen als Rahmbläserkapseln bekannt sein.

Die metallenen Kapseln dürften dem meisten Menschen als Rahmbläserkapseln bekannt sein.

KEYSTONE
Diese gibt es frei bei Detailhändlern zu kaufen und dienen eigentlich dazu, solche schönen Sahnehäubchen zu zaubern. Und genau eine solche hat der alkoholisierte Brite während einer Party-Wette verschluckt.

Diese gibt es frei bei Detailhändlern zu kaufen und dienen eigentlich dazu, solche schönen Sahnehäubchen zu zaubern. Und genau eine solche hat der alkoholisierte Brite während einer Party-Wette verschluckt.

Getty Images/iStockphoto

Darum gehts

  • In Grossbritannien endete eine Party-Wette für einen Beteiligten im Operationssaal.
  • Dieser hatte eine Lachgas-Kartusche verschluckt.
  • Keine gute Idee, wie sich zeigte.
  • Als die Ärzte erfuhren, um was es sich bei dem Fremdkörper in seinem Magen handelte, wurden sie nervös.

«Keine Chance, dass du das runter bekommst!» Diese Worte brachten einen Stein ins Rollen, der einem 22-jährigen Briten gut das Leben hätte kosten können. Denn bei dem, was es auf der Party für den Wetteinsatz von 50 Pfund (etwa 58 Franken) zu schlucken galt, handelte es sich um eine Lachgas-Kartusche.

Das wollte der Mann, der von der britischen Presse aus Anonymitätsgründen John Finnson genannt wird, nicht auf sich sitzen lassen. Er nahm die Kapsel, legte sie in den Mund – und schluckte sie. «Das ging runter wie nichts!», zitiert ihn Mirror.co.uk. «Es gab überhaupt keinen Widerstand.» Kurz darauf habe sich Finnson, so heisst es in dem Artikel weiter, für «eine Legende» und «urkomisch» gehalten. Doch die Freude über sich selbst war nur von kurzer Dauer.

Explodierende Eingeweide

Als er einem deutlich nüchterneren Freund vom Verschlucken der Kapsel erzählte, soll dieser sich besorgt gezeigt haben: Ob das nicht gesundheitsschädlich sei? Er überredete seinen Kollegen, sich von einem Uber ins Spital fahren zu lassen. Mit seiner Besonnenheit rettete er Finnson wohl das Leben.

Denn auch Ärzte zeigten sich ob der Schilderungen und der Röntgenaufnahmen von seinem Bauchraum besorgt. Die metallene Kapsel hatte zwischenzeitlich den Magen des 22-Jährigen erreicht. Und die einzige Fallstudie, die es zum Verschlucken von Lachgas-Kartuschen gab, stammte aus der Rindermedizin. Diese verstärkte ihre Angst, dass in der Kapsel enthaltene Druckgas könnte bei einer spontanen Entladung die Eingeweide ihres Patienten herausreissen.

Lachgas sollte auch nicht zum Spass inhaliert werden

Lachgas hat viele Facetten. Der offiziell Distickstoffmonoxid genannte Stoff findet beispielsweise Verwendung in der Nahrungsmitteltechnik, der Raketentechnik und der Medizin. So gilt es als ältestes Narkosemittel der Welt. Doch seit den 1990er-Jahren wird Lachgas auch als Partydroge genutzt. Dafür wird es in der Regel mithilfe eines Luftballons oder eines Rahmbläsers inhaliert. Lachgas wirkt schnell, aber nur kurz: 30 Sekunden bis 4 Minuten lang dauert der Rausch, bei dem es unter anderem zu einer veränderten Geräuschwahrnehmung, traumartigen Halluzinationen und einem übermässigen Lachzwang kommen kann. Doch so harmlos, wie das zunächst tönt, ist es nicht, erklärt Saferparty.ch. Es kann etwa zu Herzrhythmusstörungen oder gar Atemlähmungen kommen. Langfristig kann es unter anderem unfruchtbar machen.

Schon Anfang des letztens Jahhunderts wurde Lachgas zur Narkose genutzt. (Im Bild: Anwendung beim Zahnarzt, 1922.)

Schon Anfang des letztens Jahhunderts wurde Lachgas zur Narkose genutzt. (Im Bild: Anwendung beim Zahnarzt, 1922.)

Getty Images/Topical Press Agency

Magensäure griff bereits Kapsel an

Weil sie selbst nicht weiterwussten, kontaktieren die Notärzte dem «Mirror» zufolge Fachärzte im ganzen Land und wiesen Finnson währenddessen an, erstmals nichts mehr zu essen und zu trinken, um die Situation nicht noch weiter zu verschärfen. Schliesslich dürfte die Säure in seinem Magen der Kartusche schon ordentlich angegriffen haben, wodurch diese immer weiter korrodierte.

Es war ein Luftröhren-Experte, der Finnson schliesslich von dem potenziell explosiven Fremdkörper befreite. Und das nicht wie ursprünglich befürchtet, durch Aufschneiden der Bauchdecke, sondern mithilfe «eines kleinen Netzes – von der anderen Seite her», so der 22-Jährige gemäss «Mirror».

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8 Kommentare
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Nick

28.07.2020, 15:14

Was sind schon drei betrunkene Russen verglichen mit einem betrunkenen Engländer?

Neumann

27.07.2020, 18:07

Der Rest des Lebens lachend verbringen, heisst das evtl.

Hayl Hiedla

27.07.2020, 15:47

Lachen ist doch gesund?