Uhrenindustrie: Exporte brechen ein wie seit 2009 nicht mehr
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UhrenindustrieExporte brechen ein wie seit 2009 nicht mehr

Schlechte Absätze im Hauptexportmarkt Asien machen Schweizer Uhrenherstellern zu schaffen. Aber auch die Apple Watch dürfte ihnen wohl zusetzen.

von
lin

Die Schweizer Uhrenindustrie musste im dritten Quartal 2015 das grösste Exportminus seit 2009 verzeichnen. Um real 8,6 Prozent gingen die Ausfuhren während der Monate Juli, August und September zurück. Insgesamt exportierten die Uhrenhersteller im dritten Quartal Waren im Wert von 5,196 Milliarden Franken. Das geht aus den neusten Statistiken der Eidgenössischen Zollverwaltung hervor.

Zwischen Januar und September wurden Uhren im Wert von insgesamt 15,790 Milliarden Franken exportiert. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem Minus von 2 Prozent, wie die Zahlen des Verbands der Schweizer Uhrenindustrie zeigen. Vor allem der starke Exportrückgang nach Asien fiel im Vergleich zum Vorjahr ins Gewicht, wohin wertmässig etwas mehr als die Hälfte aller Uhren ausgeführt werden. Um 8,8 Prozent gingen die Exporte nach Asien zurück. Dass es im zweitgrössten Absatzmarkt Europa ein Plus von 8,9 Prozent gab, konnte diese Verluste nicht auffangen.

Starkes Minus im mittleren Preissegment

«Hongkong ist seit Beginn des Jahres das Hauptproblem der Uhrenindustrie», sagt René Weber, Analyst bei der Bank Vontobel, zu 20 Minuten. Hongkong ist für Schweizer Uhren der mit Abstand wichtigste Exportmarkt. Vor allem Festlandchinesen sorgen dort für hohe Umsätze in der Luxusgüterindustrie. «Die reichen Chinesen reisen inzwischen immer seltener nach Hongkong, dafür vermehrt nach Europa, Japan oder Südkorea», erklärt Weber. Die rückläufigen Zahlen in Hongkong könnten dort aber nur teilweise aufgefangen werden. Diese Entwicklung dürfte laut Weber auch in den kommenden Monaten anhalten.

Die Zahlen des Verbands der Schweizerischen Uhrenindustrie zeigen zudem, dass in den vergangenen Monaten vor allem weniger Uhren der tieferen Preissegmente exportiert wurden. Bei Uhren mit Exportpreisen zwischen 0 und 200 Franken gingen die Ausfuhren wertmässig um fast 11 Prozent zurück. Bei jenen mit Exportpreisen zwischen 200 und 500 Franken waren es gar mehr als 14 Prozent.

«Ein Grund dafür dürfte auch die Apple Watch sein», sagt Weber. Denn diese konkurriere vor allem Uhren im tiefen und mittleren Preissegment. Für die Schweizer Uhrenindustrie im Gesamten sei dies aber nicht entscheidend. «87 Prozent der Schweizer Uhren entfallen auf das Hochpreissegment», so Weber. Und dort spiele die Smartwatch von Apple kaum eine Rolle.

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