Aktualisiert 11.12.2019 11:55

Klimabewegung

Extinction Rebellion sperrt kritisches Mitglied aus

Die Bewegung XR Zürich hat Mitglied Adrian Oertli per sofort ausgeschlossen. Kritische Stimmen würden zum Verstummen gebracht, sagt er.

von
B. Zanni
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Extinction Rebellion sei eine globale Bewegung von Menschen «aller möglichen Lebenslagen, Berufe, Überzeugungen, Herkunft», schreibt XR Zürich auf ihrer Website.

Extinction Rebellion sei eine globale Bewegung von Menschen «aller möglichen Lebenslagen, Berufe, Überzeugungen, Herkunft», schreibt XR Zürich auf ihrer Website.

Keystone/Martial Trezzini
Alle seien willkommen. XR Schweiz hält zudem fest, dass gewaltfreies Handeln eine der zentralen Grundsätze sei.

Alle seien willkommen. XR Schweiz hält zudem fest, dass gewaltfreies Handeln eine der zentralen Grundsätze sei.

Keystone/Martial Trezzini
Von all dem habe er nur bedingt etwas gespürt, sagt Adrian Oertli, der rund neun Monate Mitglied der Bewegung in Zürich war. «Dominante Anteile von Extinction Rebellion Schweiz lassen keine kritischen Meinungen zu. Konflikte werden als hinderlich betrachtet», sagt Oertli. Mittlerweile habe er keinen Zugang mehr zu den internen Kanälen.

Von all dem habe er nur bedingt etwas gespürt, sagt Adrian Oertli, der rund neun Monate Mitglied der Bewegung in Zürich war. «Dominante Anteile von Extinction Rebellion Schweiz lassen keine kritischen Meinungen zu. Konflikte werden als hinderlich betrachtet», sagt Oertli. Mittlerweile habe er keinen Zugang mehr zu den internen Kanälen.

Privat

Aktivisten blockierten Mitte November das Flugzeugterminal für Privatjets am Flughafen Genf. Für Aufsehen sorgte die Klimabewegung Extinction Rebellion auch, als sie die Zürcher Limmat grün einfärbte.

Extinction Rebellion sei eine globale Bewegung von Menschen «aller möglichen Lebenslagen, Berufe, Überzeugungen, Herkunft», schreibt XR Zürich auf ihrer Website. Alle seien willkommen. XR Schweiz hält zudem fest, dass gewaltfreies Handeln eine der zentralen Grundsätze sei.

«Keine kritischen Meinungen zugelassen»

Von all dem habe er nur bedingt etwas gespürt, sagt Adrian Oertli (39), der rund neun Monate Mitglied der Bewegung in Zürich war (siehe Box). «Dominante Anteile von Extinction Rebellion Schweiz lassen keine kritischen Meinungen zu. Konflikte werden als hinderlich betrachtet», sagt Oertli. Mittlerweile habe er keinen Zugang mehr zu den internen Kanälen.

«Die Administratoren sperrten mich wegen meiner kritischen Aussagen aus allen Chats und Foren.» Unter anderem habe er zuvor das Thema Rassismus gegen Weisse angesprochen. «Ich machte darauf aufmerksam, dass im Rahmen der extremen Linken eben auch Positionen vorhanden sind, die Rassismus gegen Weisse als inexistent betrachten.»

«Manipulieren, bis man schweigt»

Diese Aussagen seien anonym als Verletzung der Netiquette gemeldet worden, so Oertli. «Und man warf mir vor, die Unterdrückungserfahrungen von Schwarzen nicht anzuerkennen.» Doch das sei falsch.

Laut Oertli werden unter den Aktivisten kritische Meinungen mit dem so genannten Gaslighting zum Verstummen gebracht. «Sie manipulieren und unterstellen einem solange Dinge, bis man schweigt.» Er habe hingegen auf seinen Meinungen beharrt. «Ich wies sie vehement darauf hin, dass sie dem Grundprinzip einer gewaltfreien Haltung widersprechen.» Bis jetzt habe er erfolglos das Gespräch mit den Verantwortlichen gesucht, um wieder Zugang zu den internen Kanälen zu erlangen.

Oertli sei in Foren angeeckt

Aufgrund problematischer Äusserungen Adrians in diversen Chats hielt man einen sofortigen Ausschluss für unvermeidbar, schreibt XR Zürich im Ausschlussantrag, der 20 Minuten vorliegt. Reto Wigger, Sprecher von XR Zürich, sagt auf Anfrage, dass seit diesem Sommer viele Mediationsversuche auf lokaler und nationaler Ebene missglückt seien. «Es folgten der Ausschluss aus der Lokalgruppe Zürich und die Sperrung seines Profils im nationalen Forum von XR Schweiz.»

Kurz darauf eckte Oertli laut Wigger auch in den deutschen und internationalen Foren an, worauf sein Profil auch auf internationalen Servern deaktiviert wurde. «Weil die Lage unseres Planeten so unsagbar ernst ist, sind wir auf jegliche Unterstützung angewiesen.» Oertli sei bisher der Einzige, den man ausgeschlossen habe. Dies sei mit sehr viel Reflexion und Diskussion unter Wahrung ihrer Prinzipien mit Blick auf die Mission geschehen.

«Konsens ist eine notwendige Bedingung»

Michelle Beyeler, Politologin an der Berner Fachhochschule, beurteilt einen Konsens unter den Teilnehmenden bezüglich der zentralen Werte und in der Regel auch Vorgehensweisen als notwendige Bedingung, damit eine Bewegung funktionieren kann. «Der Konsens ist quasi die Alternative zum Mehrheitsentscheid, wie er in Verbänden, Parteien oder anderen Mitgliederorganisationen gefällt werden kann.»

Grundsätzlich sind «Flügelkämpfe» laut Beyeler in sozialen Bewegungen allerdings genauso an der Tagesordnung wie in Parteien. «Nur, dass aufgrund des Fehlens von formalen Mitgliedschaften der Umgang damit etwas weniger klar verläuft.»

Aussteiger und Kritiker

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