Bundesrat beschliesst: Extrazug wird für Fans obligatorisch

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Bundesrat beschliesstExtrazug wird für Fans obligatorisch

Sportfans sollen künftig nicht mehr im Intercity reisen, wenn die SBB parallel einen Extrazug anbieten. Ausserdem sollen Schäden an Zügen auf die Clubs abgewälzt werden können.

Fussballfans müssen in Zügen anreisen.

Fussballfans müssen in Zügen anreisen.

Trotz Kritik von Fanvereinigungen will der Bundesrat, dass Transportunternehmen künftig die Beförderung von Sportfans einschränken oder verweigern können, wenn gleichzeitig Extrazüge oder Extrabusse zur Verfügung stehen. Diesen Entscheid teilte das Bundesamt für Verkehr heute mit.

Clubs werden zur Kasse gebeten

Die Schäden, welche die Fans in diesen Extratransportmitteln anrichten, sollen dann unter gewissen Voraussetzungen auf die Sportklubs abgewälzt werden können. Die Vereine sollen nur dann von der Haftung befreit werden, wenn sie mit dem Transportunternehmen einen Chartervertrag abschliessen und die Fahrt mit eigenen Fanbetreuern begleiten.

Eine ähnliche Vereinbarung existiert heute bereits zwischen den SBB und den Berner Young Boys. Die Fans von YB sorgen dabei selber für Sicherheit und Sauberkeit in ihren Extrazügen. Das Projekt wurde nach einer erfolgreichen Testphase weitergeführt.

Ergänzung zum Hooligan-Konkordat

Nun entscheidet das Parlament, ob das Personenbeförderungsgesetz mit den vom Bundesrat vorgeschlagenen Bestimmungen ergänzt wird.

Den Entwurf für die Gesetzesrevision hatte der Bundesrat bereits im letzten Jahr präsentiert. Fanorganisationen und auch der Schweizerische Fussballverband (SFV) übten in der Vernehmlassung scharfe Kritik an den Plänen.

So wurde etwa moniert, dass nur schwer unterschieden werden könne, wer zu einem Fanlager gehöre und wer als normaler Reisender unterwegs sei. Ausserdem würden die eigenen Anstrengungen, die Situation zu verbessern, ausser Acht gelassen.

Die Zweifel an der Umsetzbarkeit hat der Bundesrat zur Kenntnis genommen. Trotzdem ist er überzeugt, dass die Vorlage zusammen mit dem Hooligan-Konkordat der Kantone die gewünschte Wirkung entfalten wird. In jenen Kantonen, die diesem Konkordat beigetreten sind, benötigen Fussball- und Eishockeymatches der obersten Spielklasse künftig eine Bewilligung.

Fans vom Verkehr «aussperren»

Bereits heute werden Sportfans regelmässig mit Fanzügen an Auswärtsspiele gefahren. Dies insbesondere dann, wenn es sich um sogenannte «Risikospiele» handelt. Es fehlt aber gemäss Bundesrat derzeit die gesetzliche Grundlage, um die Fans vom fahrplanmässigen Verkehr «auszusperren».

Dazu blieben die Schäden bisher an den Transportunternehmen hängen. Die SBB bezifferten die Kosten, die wegen Ausschreitungen gewalttätiger Fans jedes Jahr entstehen, auf 3 Millionen Franken. Die Bahn steht denn auch hinter der vom Bundesrat angestrebten Lockerung der Transportpflicht. (sda)

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