Getöteter Taxifahrer: «Extrem traurig, so aus dem Leben gerissen zu werden – er hat nur seinen Job gemacht»

Aktualisiert

Getöteter Taxifahrer«Extrem traurig, so aus dem Leben gerissen zu werden – er hat nur seinen Job gemacht»

Nachdem in Basel am Freitagabend ein Taxifahrer getötet wurde, ist die Betroffenheit unter seinen Kollegen gross. Sie beklagen die schlechten und gefährlichen Arbeitsbedingungen als Taxifahrer.

von
Yann Bartal
Thomas Obrecht
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Der Taxifahrer A.A. wurde am Freitagabend niedergestochen. Das Opfer war regelmässig beim Taxistand am Badischen Bahnhof, wo man ihn als ruhigen Familienvater kannte.

Der Taxifahrer A.A. wurde am Freitagabend niedergestochen. Das Opfer war regelmässig beim Taxistand am Badischen Bahnhof, wo man ihn als ruhigen Familienvater kannte.

20min/Thomas Obrecht
Die Betroffenheit unter den anderen Taxifahrern ist am Samstagmorgen gross.

Die Betroffenheit unter den anderen Taxifahrern ist am Samstagmorgen gross.

20min/Thomas Obrecht
Ein News-Scout hat das Ganze beobachtet. Sie wohne direkt an der Strasse, die eigentlich sehr ruhig sei. «Ich habe das Taxi gesehen und gehört, wie der Fahrer mehrmals nach der Polizei geschrien hat.»

Ein News-Scout hat das Ganze beobachtet. Sie wohne direkt an der Strasse, die eigentlich sehr ruhig sei. «Ich habe das Taxi gesehen und gehört, wie der Fahrer mehrmals nach der Polizei geschrien hat.»

20min/News Scout

Darum gehts

  • Am frühen Freitagabend wurde in Basel ein Taxifahrer erstochen – der Täter ist flüchtig. 

  • Beim Badischen Bahnhof kennen ihn die anderen Taxifahrer und sind über die Tat bestürzt.

  • Viele Taxifahrer beklagen sich über harte Arbeitsbedingungen und den fehlenden Respekt ihnen gegenüber.

  • Wenn sie könnten, würden sie aufhören, sagen einige Fahrer.

Am Freitagabend wurde in Basel der Taxifahrer A.A.* (49) nach einem Streit erstochen. Kurz vor 18.30 Uhr geriet der 49-jährige Mann in der Peter Merian-Strasse mit einem unbekannten Mann in eine Auseinandersetzung. Dabei verletzte der Unbekannte den Taxifahrer mit einer Stichwaffe so schwer, dass dieser trotz Reanimation durch die Sanität der Rettung Basel-Stadt noch vor Ort verstarb. Der mutmassliche Täter konnte flüchten.

Die Betroffenheit unter den Taxifahrern am Samstagmorgen ist gross. Der türkischstämmige Taxilenker galt unter den Kollegen als ruhiger Familienvater. Die Tragödie sei für alle sehr schlimm, doch komme sie nicht ganz überraschend, meinen die Fahrer am Taxistand beim Badischen Bahnhof.

Viele wollen nicht mehr

«Man kann sich nicht vorstellen, wie viel Negativität uns Taxifahrern regelmässig entgegengebracht wird. Hätte ich die Möglichkeit, würde ich aufhören, Taxi zu fahren», sagt J.G.* (45) gegenüber 20 Minuten. Auch Tuana Maruf (42) beklagt die schlechten Arbeitsbedingungen. Er hat inzwischen ganz aufgehört, in der Nacht zu arbeiten. «Gerade in der Nacht, wenn Personen etwas konsumiert haben, ist es ganz schlimm», so Maruf.

Dass A.A. so aus dem Leben gerissen wurde, macht seine Kollegen traurig und wütend. Theodoros Giourkas (56) fährt seit über 20 Jahren Taxi, aber wenn er könnte, würde auch er aufhören. Immer wieder komme er in die gefährliche Situation, dass jemand nach der Fahrt nicht zahlen will. «Für 20 Franken lohnt es sich aber nicht, der Person nachzurennen oder diese anzuzeigen. Wenn du kein Geld hast, sag es mir vorher, wenn du nett bist, fahr’ ich dich trotzdem.»

Fahrer haben kaum mehr Bargeld im Fahrzeug

Auch George Botonakis vom Taxiverband Zürich zeigt sich betroffen. Doch im Allgemeinen sei der Taxiberuf eine sichere Arbeit, meint Botonakis. «Immer wieder gibt es verbale Auseinandersetzungen – besonders in der Nacht mit Besoffenen. Aber da stehen die meisten Taxifahrer drüber.» Auch Überfälle gäbe es immer weniger, da die Fahrer nicht mehr so viel Bargeld in den Fahrzeugen hätten.

Die Polizei sucht weiterhin nach dem Täter. Personen, die sachdienliche Hinweise geben können, werden gebeten, sich mit der Kriminalpolizei der Staatsanwaltschaft, Tel. 061 267 71 11, oder mit der nächsten Polizeiwache in Verbindung zu setzen. Gesucht wird nach einem unbekannten Mann, ca. 175 bis 180 cm gross, spricht Schweizerdeutsch, hat kurze Haare, trägt dunkle Kleidung, Turnschuhe und einen Rucksack. 

* Namen der Redaktion bekannt.

Trauerst du oder trauert jemand, den du kennst?

Hier findest du Hilfe:

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Jüdische Fürsorge, info@vsjf.ch

Lifewith.ch, für betroffene Geschwister

Verein Regenbogen Schweiz, Hilfe für trauernde Familien

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen

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