Nahrungsmittelpreise: Extreme Dürre in den USA hat schwere Folgen
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NahrungsmittelpreiseExtreme Dürre in den USA hat schwere Folgen

Die anhaltende Trockenheit in den USA bekommt die ganze Welt zu spüren. Die Preise für Nahrungsmittel schnellen in die Höhe. Wegen der ausfallenden Ernten rechnen Versicherungen mit gewaltigen Kosten.

von
whr

Der Juli 2012 war in weiten Teilen der USA der heisseste Monat seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1895. Das Land bekommt gemäss Jake Crouch vom Nationalen Archiv für Wetterdaten (NCDC) einen Cocktail aus örtlicher Hitze und Dürre sowie den Auswirkungen des globalen Klimawandels zu spüren.

Nach offiziellen Erhebungen leiden fast zwei Drittel der US-Bundesstaaten - unterschiedlich stark - unter Dürre. Mehr als 3000 Hitzerekorde wurden im vergangenen Monat gebrochen.

Der heisse, trockene Sommer im Mittleren Westen der USA fordert weltweit seinen Tribut: Nach Angaben der Weltbank sind die Preise für wichtige Nahrungs- und Futtermittel seit Mitte Juni stark gestiegen: der Preis für Weizen um 50 Prozent, der für Mais um 45 Prozent. Der Preis für Soja kletterte seit Anfang Juni um 30 Prozent, seit Ende 2011 sogar um 60 Prozent.

Teure Ernteausfälle

Wegen der anhaltenden Dürre in den USA legt der weltgrösste Rückversicherer, Munich Re, etwa 160 Millionen Euro Reserven zurück. Die Versicherung hat in der Landwirtschaft bisher noch nie so einen Schaden begleichen müssen. 75 Prozent der Mais- und Sojaanbauregionen sind betroffen. Die USA liefert mehr als die Hälfte der weltweiten Mais-Exporte sowie ein Viertel der Weizen-Exporte.

Weltbankpräsident Jim Yong Kim fürchtet steigende Lebensmittelpreise weltweit wegen der anhaltenden Dürre in den USA. Er warnte vor den «verhängnisvollen Folgen» dieser Entwicklung für die Ärmsten der Armen.

Fischsterben

Auch die Fische werden Opfer dieses extrem trockenen und heissen Sommers. Allein im US-Bundesstaat Iowa sollen nach Angaben von Experten rund 40 000 Störe verendet sein. Im Bundesstaat Nebraska sprechen Fischereivertreter von Tausenden toten Fischen im Platte River, darunter vom Aussterben bedrohte Schaufelstöre. Und in Illinois sagen Biologen, dass die Hitze Zehntausende Barsche und Welse das Leben gekostet sowie das Überleben grosser Saugkarpfen gefährdet hat.

«So etwas habe ich noch nie in meiner Karriere gesehen, und ich bin hier seit mehr als 17 Jahren», sagt Mark Flammang, ein Fischerei-Biologe am Referat für natürliche Rohstoffe in Iowa. Die dortigen Experten beziffern den Wert der allein im Des Moines River tot aufgefundenen Störe auf fast zehn Millionen Dollar (8,06 Millionen Euro). Störe sind als Lieferant von Kaviar hochbegehrt.

«Diese Fische waren für Abertausende von Jahren in den Flüssen und haben sich an alle Wetterbedingungen angepasst», sagt Flammang. «Aber manchmal scheint es, dass Bedingungen herrschen, die den Toleranzbereich sprengen.» (whr/sda/dapd)

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