Radikale Jugendliche: «Extremisten verbergen ihre Gesinnung oft»
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Radikale Jugendliche«Extremisten verbergen ihre Gesinnung oft»

Ein Merkblatt soll Schulen helfen, radikalisierte Jugendliche zu erkennen. Diese würden versuchen, möglichst unauffällig zu bleiben, sagte ein Experte.

von
ann

Herr Violi*, die Zürcher Bildungsdirektion hat den Schulgemeinden ein Merkblatt zum Thema «Jugend und Extremismus» zugeschickt. Laut NZZ ist dessen Inhalt vertraulich. Warum?

Die Informationen sind nur für Schulen und Heime vorgesehen. Das Merkblatt enthält Hinweise auf Merkmale, die Anzeichen für eine mögliche Radikalisierung eines Jugendlichen sein können.

Könnte das nicht auch für betroffene Bezugspersonen interessant sein?

Wir wollen sich radikalisierenden Jugendlichen nicht Tipps geben, wie sie ihre extremistische Gesinnung vor ihrem Umfeld verstecken können. Oft wird diese verborgen, um strafbare Handlungen zu verdecken. Es ist ähnlich wie bei einem Jugendlichen, der einen Amoklauf plant.

Wo sind die Parallelen?

Man weiss von Jugendlichen, die einen Amoklauf planen, dass sie alle Informationen nutzen, um ihre Tat möglichst unauffällig zu planen und die zum Schutz vor Amoktaten getroffenen Massnahmen zu umgehen.

Was empfiehlt denn das Merkblatt bei Anhaltspunkten für eine Radikalisierung?

Es enthält ein Ablaufschema mit einer Anleitung, wie man in so einem Fall handeln soll.

Das Vorgehen bei einer Radikalisierung ist jetzt also festgelegt?

Im Grunde genommen ist es das gleiche wie bei anderen Krisensituationen. Die Schlüsselfunktion kommt dem schulinternen Krisenteam zu. Es kommt immer dann zusammen, wenn eine ausserordentliche Situation besteht. Etwa bei einer Suizidgefährdung, bei Mobbing, häuslicher Gewalt oder eben einer Radikalisierung eines Schülers. Das Krisenteam nimmt eine Einschätzung der Situation vor und zieht bei Bedarf externe Hilfe bei.

Wird im Fall einer Radikalisierung die Polizei eingeschaltet?

Je nach Einschätzung der Situation. Wenn der Verdacht auf strafbare Handlungen besteht, dann auf jeden Fall. Es gibt aber noch andere Anlaufstellen, die bei einer Radikalisierung kontaktiert werden können.

Besteht nicht die Gefahr, dass so ein Krisenteam falsch entscheidet?

Wenn ein Krisenteam gut eingespielt ist und frühzeitig professionelle Hilfe sucht, kann die Gefahr, falsch zu entscheiden, verringert werden. Das Merkblatt soll den Schulen helfen, richtige Entscheidungen zu fällen.

*Enrico Violi ist Beauftragter «Gewalt im schulischen Umfeld» im Kanton Zürich

Enrico Violi ist Beauftragter Gewalt im schulischen Umfeld bei der Bildungsdirketion des Kantons Zürich.

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