05.01.2016 05:48

600 Kilometer TrekkingExtremsportler durchquert mit Anfängern Grönland

Bergführer Thomas Ulrich will Grönland-Touren organisieren. Auch Tour-Neulinge sollen an der 600 Kilometer langen Expedition teilnehmen können.

von
Annina Häusli

Extremsportler Thomas Ulrich hat schon so manches Abenteuer geplant. So wollte er unter anderem alleine den Nordpol überqueren.

Nun will er seine Abenteuerlust mit anderen teilen. Der gelernte Zimmermann führt ab nächstem Jahr erstmals eine Gruppen-Expedition durch Grönland. Teilnehmen daran können aber nicht nur erfahrene Abenteurer, sondern auch Anfänger. Das Vorhaben ist nicht ohne: 600 Kilometer werden von der West- zur Ostküste zurückgelegt. Der erste Testlauf findet im Mai statt – vorerst nur mit einem «Probegast». Ab 2017 soll die Tour kommerziell angeboten werden.

Erfahrungen als Tour-Guide konnte der 48-Jährige bereits zur Genüge sammeln. Seit 2004 bietet er regelmässig Expeditionen in die Arktis an, bei der ebenfalls Anfänger mitmachen können. «Die Grönland-Expedition ist jedoch körperlich anstrengender als diejenige durch die Arktis», so Ulrich.

Voraussetzungen: Fitness und Geld

«Ein Mindestmass an körperlicher Fitness und Durchhaltevermögen ist die einzige Voraussetzung», sagt Ulrich. Komplett unvorbereitet lässt er seine Schäfchen dennoch nicht auf das Abenteuer los. «Wir führen ein Vorbereitungs-Wochenende durch, an welchem ich mit zukünftigen Teilnehmern zwei Tage in der Natur verbringe.» Eignet sich jemand gar nicht, müsse er dem Teilnehmer eine Absage erteilen, was im Fall der Nordpol-Expedition auch schon vorgekommen sei. Wer mitmachen will, sollte auch einiges auf der hohen Kante haben: Der Arktis-Trip kostet 49'000 Franken, die Grönland-Tour soll etwas günstiger werden.

Der bisher jüngste Teilnehmer auf der Nordpol-Expedition war ein 15-jähriger Schotte, der älteste ein 72-jähriger Engländer. Die Tage in der Arktis seien zwar lang – «während sieben bis neun Tagen ist man zwischen sieben und zehn Stunden zu Fuss unterwegs» – aber diese seien nicht besonders anstrengend, da die Eisfläche flach sei. Ganz anders bei der Grönland-Expedition. Für die 600 Kilometer rechnet Ulrich mit etwa einem Monat Laufzeit.

Keine Angst vor Eisbären

Auch eine Packliste liefert Ulrich mit und empfiehlt in den Monaten vor der Abreise ein regelmässiges Training für die beiden angebotenen Abenteuer: «Wanderungen, Skitouren oder auch Lauftraining sind optimal als Vorbereitung.» Bei Temperaturen von bis zu minus 35 Grad Celsius ist der Nordpol eine unwirtliche Eiswüste – aber dennoch nicht komplett unbewohnt: «Eisbären haben wir auf der Tour bisher zum Glück nur von weitem gesehen, da ihr natürlicher Lebensraum eher an der Küste ist.»

Doch kein Grund zur Sorge: «Sicherheit steht bei mir immer an höchster Stelle», so Ulrich. Sollte es dennoch zum Angriff eines Eisbären kommen, sei ein Revolver im Kaliber .44 Magnum immer dabei. Wenn alle Teilnehmer auf den erfahrenen Extremsportler hören, könne auch fast nichts schiefgehen. Es sei aber auch schon zu kleineren Erfrierungen von Finger oder Zehen gekommen.

Kürzer treten

Der Interlakner kann auf eine lange Karriere als Extremsportler zurückblicken. Neben Höhepunkten wie der Besteigung der Eiger-Nordwand mit Ausrüstung aus den 30er-Jahren gab es auch Tiefpunkte: Die gescheiterte Arctic Solo-Tour im Jahr 2006 kostete ihn beinahe das Leben. «Da hatte ich Glück, mit dem Leben davongekommen zu sein.»

Auch weil er nicht mehr der Jüngste ist will sich Ulrich in den kommenden Jahren vor allem auf die kommerziellen Touren konzentrieren. Daneben verdient das Multitalent sein Geld auch mit Fotografie, Vorträgen und Bergführungen.

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