Aktualisiert 06.02.2014 11:12

Eurokrise

EZB-Chef Draghi bringt Geschütze in Stellung

Die Europäische Zentralbank wird das Deflationsgespenst nicht los. Der Markt fordert von EZB-Präsident Mario Draghi deshalb einen Griff in die Trickkiste.

von
hoy
Im Fokus der Finanzbranche: EZB-Präsident Mario Draghi.

Im Fokus der Finanzbranche: EZB-Präsident Mario Draghi.

Für die Europäische Zentralbank EZB begann das neue Jahr mit einem Schock: Die Inflationsrate sank auf den tiefsten Stand seit vier Jahren und ist nun exakt so niedrig wie im Herbst, worauf die Notenbank mit einer überraschenden Senkung des Leitzinses auf das Rekordtief von 0,25 Prozent reagierte.

EZB-Präsident Mario Draghi wählte deshalb nach der ersten Sitzung des EZB-Rats Anfang Januar so deutliche Worte wie selten. Er versprach, die Zinsen so lange wie nötig niedrig zu halten. «Die EZB steht – wenn nötig – für entschiedenes Handeln bereit», betonte Draghi weiter. «Wir werden alle erlaubten verfügbaren Instrumente in Betracht ziehen.»

Erwartungen geschürt

Diese Versprechen schürten Erwartungen, dass Draghi an der EZB-Sitzung von heute Donnerstag weitere – auch unkonventionelle – Schritte ankündigen könnte. «Es gibt gewichtige Argumente für weitere Massnahmen seitens der EZB», sagt ZKB-Chefökonom Anastassios Frangulidis.

Doch die Erwartungen bieten nicht immer den richtigen Anhaltspunkt, was von Draghi zu erwarten ist. Der EZB-Präsident hat die Anleger in der Vergangenheit bereits mit zwei Zinssenkungen und unkonventionellen Massnahmen überrascht, um den Euro zu schützen. Der Spielraum, der ihm noch bleibt, ist deshalb denkbar klein.

Noch Überraschungen im Köcher?

Trotzdem hält Draghi noch die eine oder andere scharfe Waffe parat. Laut ZKB-Ökonom Frangulidis besteht beispielsweise die Möglichkeit einer weiteren geldpolitischen Lockerung: «Am WEF hatte Draghi den möglichen Aufkauf von Firmenanleihen ins Spiel gebracht.» Dazu hält es der Ökonom für durchaus möglich, dass die EZB noch einmal an der Zinsschraube dreht. Und die dritte Option wäre, dass die EZB mit einem Strafzins auf Bankeinlagen die Institute vom Bunkern ihrer überschüssigen Mittel abhalten und zur verstärkten Vergabe von Darlehen anregen würde.

Keine grosse Änderungen erwartet dagegen Ökonom Alexander Rathke von der Konjunkturforschungsstelle Kof: «Wir gehen nicht davon aus, dass die EZB bereits im Februar ihre Geldpolitik lockern wird.» (hoy/sda)

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