Aktualisiert 05.06.2014 14:24

Rekordtief

EZB führt zum ersten Mal Negativzins ein

Die europäische Zentralbank hat den Leitzins auf ein neues Rekordtief gesenkt. Ausserdem müssen Banken für ihre Einlagen bei der Notenbank neu einen Strafzins zahlen. Der Dax regierte mit einem neuen Rekordstand.

von
laf

Es ist ein deutliches Signal, das die EZB an die Finanzmärkte sendet: Der Leitzins, zu dem sich Zentralbanken Geld bei der Notenbank leihen können, sinkt auf ein neues Rekordtief von 0,15 Prozent. Banken müssen ausserdem neu einen Strafzins zahlen, wenn sie kurzzeitig Liquidität bei der Zentralbank parken. So wollen die Währungshüter eine Abwärtsspirale fallender Preise und sinkender Investitionen stoppen.

Am Dienstag war bekannt geworden, dass die Teuerung in den Euro-Ländern zuletzt bei 0,5 Prozent lag und damit weit entfernt vom Zielwert von knapp unter zwei Prozent, bei dem die EZB von stabilen Preisen spricht. Auch in Deutschland nahm die Teuerung zuletzt ab, wenngleich zum Teil aus statistischen Gründen.

Ausserdem führt die EZB weitere Massnahmen ein. Unter Anderem so genannte langfristige Refinanzierungsgeschäfte ein. Die günstigen Kredite können Banken beantragen, um Geld an Unternehmen zu verleihen.

Das sind die Instrumente der EZB im Detail:

Leitzins

Das wichtigste Instrument ist der Leitzins, also der Zins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld ausleihen können, um es dann zum Beispiel als Kredit an Unternehmen und Verbraucher weiterzugeben. Die meisten Ökonomen rechnen fest damit, dass die EZB den Zins nochmals senken wird: von 0,25 Prozent um weitere 0,10 oder 0,15 Punkte. Niedrige Zinsen können die Konjunktur ankurbeln.

Einlagenzins

In normalen Zeiten bekommen Geschäftsbanken von der EZB Zinsen für überschüssiges Geld, das sie bei der Zentralbank parken. Im Sommer 2012 senkten die Währungshüter den Zins auf null Prozent. Nun droht sogar ein Strafzins: Es gilt als wahrscheinlich, dass die EZB den Einlagenzins erstmals unter null Prozent senken wird. Das Ziel ist eine Schwächung des Euro. Das würde Importe verteuern und so die Inflationsrate erhöhen und näher an die angestrebten zwei Prozent treiben.

Notkredite

In der Krise hat die EZB dem angeschlagenen Bankensektor mehrfach Notkredite mit ungewöhnlich langen Laufzeiten von bis zu drei Jahren zur Verfügung gestellt. Doch viele Institute nutzten das billige Geld, um damit höher verzinste Staatsanleihen aufzukaufen. In den Wirtschaftkreislauf fliesst das Geld also dennoch nicht.

EZB-Präsident Mario Draghi stellte daher schon im Januar 2014 klar: «Wenn wir etwas Ähnliches wieder machen, wollen wir sicherstellen, dass das Geld in die Wirtschaft fliesst.» Volkswirte halten eine weitere Runde von Langfristkrediten durchaus für möglich – vermutlich unter der Auflage, dass Banken das Geld in Form von Krediten an kleine und mittelständische Unternehmen weiterreichen.

Quantitative Lockerung

Das nach Meinung vieler Beobachter schärfste Schwert im Kampf gegen Deflation – breitangelegte Käufe privater und öffentlicher Wertpapiere («Quantitative Lockerung«/QE) – dürfte die EZB nicht zücken. Das Instrument ist höchst umstritten, weil die EZB damit auch Staaten finanzieren würde, was ihr verboten ist.

Draghi hatte Ende Mai erklärt: QE komme erst in Betracht, wenn sich die Inflation oder die Inflationserwartungen «zu lange» vom Ziel der Notenbank entfernten. Doch das dürfte noch eine ganze Weile dauern.

EZB senkt Zinsen auf Redkordtief

Dax erstmals über 10'000 Punkte

Knapp 26 Jahre hat es gedauert bis der Dax fünfstellig geworden ist.

Der deutsche Leitindex übersprang am Donnerstag die psychologisch und technisch wichtige Marke von 10'000 Punkten. Nach der Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) stieg der Dax um 0,7 Prozent auf ein Rekordhoch von 10'002,67 Zählern.

Damit wurde er knapp 26 Jahre nach seiner Einführung fünfstellig. Unter den bekannten Standardwerte-Indizes gibt es nicht viele, die das geschafft haben.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.