Aktualisiert 12.02.2015 19:45

Finanzpolitik

EZB gewährt Griechenland mehr Notkredite

Die Europäische Zentralbank ist den griechischen Banken entgegengekommen. Sie erhöhte den Hilfsrahmen um fünf Milliarden Euro.

Der Entscheid der EZB kam an der Athener Börse gut an.

Der Entscheid der EZB kam an der Athener Börse gut an.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat der griechischen Notenbank mehr Spielraum für Notfall-Kredithilfen an ihre heimischen Banken gewährt. Wie Vertreter der griechischen Regierung und der Athener Notenbank der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag sagten, erhöhte die EZB den Hilfsrahmen um rund fünf Milliarden Euro auf nunmehr 65 Milliarden Euro.

«Wir haben die Summe bekommen, um die wir gebeten haben,» sagte ein Vertreter der Athener Notenbank. Die ELA-Hilfen seien bis zum 18. Februar, dem nächsten Treffen des EZB-Rats, verlängert worden. Das «Handelsblatt» hatte ähnlich berichtet.

Entscheidung sorgt für Plus an Börse

EZB-Währungshüter hatten Insidern zufolge in einer Telefonkonferenz über die Liquiditäts-Lage griechischer Banken beraten. Die EZB lehnte eine Stellungnahme ab. An der griechischen Börse kam die Entscheidung gut an. Der Index für griechische Bankenwerte kletterte zeitweise um mehr als 14 Prozent.

ELA-Hilfen (Emergency Liquidity Assistance), die von den jeweiligen nationalen Notenbanken bereitgestellt werden, dienen zur Überbrückung kurzfristiger Liquiditätsprobleme bei Banken. Sie werden von der EZB genehmigt und laufend überprüft. Bei diesen Geldspritzen trägt dann allerdings die nationale Zentralbank das Risiko - und nicht die EZB.

Griechische Banken sind jetzt bei grossen Geldabflüssen verstärkt auf solche ELA-Notfallkredite angewiesen. Denn nach einer Entscheidung der EZB können griechische Staatsanleihen mit Ramsch-Bonität nicht mehr als Pfand für frisches EZB-Zentralbankgeld hinterlegt werden. Bislang hatte für Griechenland diese Sonderregel gegolten.

Zeichen für Sorge der Währungshüter

Die Entscheidung der EZB zeigt, wie besorgt die Währungshüter aktuell über die jüngste Entwicklung in Griechenland sind. Denn eine Lösung der Schuldenkrise ist aktuell immer noch nicht in Sicht. Auch ein Sondertreffen der Euro-Finanzminister in Brüssel, das bis in die Nacht zum Donnerstag andauerte, brachte nicht den Durchbruch.

Die neue griechische Links-Regierung unter Alexis Tsipras lehnt eine Fortsetzung des laufenden Rettungsprogramms ab. Sie hat die Zusammenarbeit mit der so genannten Troika aus EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF), die die Reformschritte überwacht, für beendet erklärt.

Das aktuelle Hilfsprogramm der internationalen Geldgeber läuft bis zum 28. Februar. Danach könnte für Griechenland die Luft dünn werden. Nach Einschätzung von EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny kann Griechenland wieder zu einem normalen Finanzierungsmechanismus zurückkehren, falls es eine neue Vereinbarung für ein Hilfsprogramm gibt. (sda)

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