Bad News für Sparer - EZB hält Leitzins auf 0-Prozent-Rekordtief
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Bad News für SparerEZB hält Leitzins auf 0-Prozent-Rekordtief

Die Europäische Zentralbank zementiert die Politik des billigen Geldes. Für Sparerinnen und Sparer bedeutet der Entscheid sozusagen eine Enteignung, kritisiert der Börsenexperte.

von
Fabian Pöschl
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Die EZB hat am Donnerstag über ihre zukünftige Geldpolitik informiert.

Die EZB hat am Donnerstag über ihre zukünftige Geldpolitik informiert.

Boris Roessler/dpa
EZB-Präsident Christine Lagarde sprach im Vorfeld des EZB-Treffens von einer wichtigen Entscheidung.

EZB-Präsident Christine Lagarde sprach im Vorfeld des EZB-Treffens von einer wichtigen Entscheidung.

AFP
Börsianer hegten grosse Erwartungen an das Treffen.

Börsianer hegten grosse Erwartungen an das Treffen.

Getty Images/iStockphoto

Darum gehts

  • Die Europäische Zentralbank hat in einer Sitzung die Auswirkungen ihres Inflationsziels beraten.

  • Das Treffen war mit Spannung erwartet worden.

  • Nun gab die EZB bekannt, dass der Leitzins unverändert bei null Prozent bleibt.

  • Das erwartete Feuerwerk an den Börsen blieb aus.

  • Sparkonten verlieren damit an Wert.

Analystinnen und Börsianer haben die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) mit Spannung erwartet. «Alle Augen auf die EZB» lautete das Motto für die Credit-Suisse-Analysten. Denn am Donnerstag trafen sich die Währungshüter erstmals nach der Verkündung des neuen EZB-Inflationsziels von durchschnittlich 2 Prozent und berieten über die zukünftige Geldpolitik.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde höchstpersönlich schürte die Erwartungen, als sie im Vorfeld von einem «wichtigen Treffen» und «interessanten Veränderungen» sprach. Marktbeobachtende rechneten mit Turbulenzen auf den Aktienmärkten, manche sahen gar ein neues Allzeithoch beim Schweizer Aktienleitindex voraus.

Grosse Veränderungen bleiben aus

Doch den 1280-Punkte-Rekordwert von Anfang Juli knackte der Swiss Market Index (SMI) kurz nach Ende des EZB-Treffens bei weitem nicht, sondern schwankte zwischen 1220 und 1230 Punkten und fiel bis 15.30 Uhr unter 1200 Punkte. Denn die erwarteten Veränderungen blieben aus. EZB-Präsidentin Christina Lagarde bestätigte lediglich den Entscheid von Anfang Monat.

Dazu teilte Lagarde mit, dass der Leitzins im Euroraum auf dem Rekordtief von null Prozent und damit seit fünf Jahren unverändert bleibt (siehe Box). Zudem gab sie bekannt, dass die EZB weiterhin Milliarden in Anleihenkäufe von Staaten und Unternehmen stecken will. Damit zementieren die Notenbanker die Währungspolitik des billigen Geldes.

Zins-Richtlinie für die Banken

Der Leitzins ist der wichtigste Zins zur Versorgung der Kreditwirtschaft mit Zentralbankgeld. Er gibt an, wie hoch die Zinsen sind, die Geschäfsbanken zahlen müssen, wenn sie Geld von den Zentralbanken leihen wollen. Wenn Banken Geld bei der Nationalbank parken wollen, müssen sie aber nach wie vor 0,5 Prozent Zinsen zahlen.

«Das waren nicht die von gewissen Beobachtern erwarteten grossen Veränderungen», sagt Matthias Geissbühler, Investment-Chef bei Raiffeisen Schweiz zu 20 Minuten. Allerdings sei der Schritt vor zwei Wochen ein bedeutender gewesen.

Lizenz zum Gelddrucken

Vorher habe die EZB eine Inflation, also Teuerung, von nahe, aber unter 2 Prozent erreichen wollen. Weil es jetzt mit kurzzeitigen Ausnahmen 2 Prozent sein sollen und wegen des Nullzinses gibt sich die Notenbank «faktisch selbst die Lizenz zum Gelddrucken», so Geissbühler.

Denn es gebe wenig Gründe, warum das 2-Prozent-Ziel gelingen könnte, ausser es werde noch mehr Geld gedruckt. Auch die Schweizerische Nationalbank werde sich dem fügen müssen, wenn sie den Franken nicht verteuern wolle.

Massiv verschuldete Staaten profitieren

Diese Entwicklung hin zum billigen Geld findet Geissbühler bedenklich, wie er sagt: «Für Sparer gilt jetzt schon ein Nullzins. Wenn das Geld dann noch entwertet wird, ist das verheerend und sozusagen eine Enteignung. Denn das Geld auf dem Sparkonto wird laufend weniger.»

Profiteure seien die Staaten mit massiven Schulden, die praktisch zum Nulltarif Geld aufnehmen könnten und deren Schuldenberge schrittweise «weginflationiert» würden. So haben etwa die USA, Japan oder Deutschland ihre Schulden nach dem Zweiten Weltkrieg reduzieren können. Denn wenn das Geld an Wert verliert, wird es für die Staaten leichter, die Zinsen zu zahlen.

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