Aktualisiert 06.09.2007 12:01

EZB lässt Zinsen unverändert

Die Europäische Zentralbank hat die Zinsen für den Euroraum nicht geändert. Der Leitzins bleibt mit dieser Entscheidung der Euro-Währungshüter bei 4,0 Prozent.

Grund für den Verzicht auf die ursprünglich angedeutete Erhöhung sind die Turbulenzen an den Finanzmärkten wegen der US-Kreditkrise.

Der Schlüsselzins für die EZB-Kredite an Banken betrage weiterhin 4,0 Prozent, teilte die Zentralbank am Donnerstag nach ihrer Ratssitzung in Frankfurt mit. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet wird die Entscheidung ab 14.30 Uhr auf einer Medienkonferenz begründen.

Die Währungshüter der Eurozone sind damit von ihrem ursprünglichen Plan abgerückt, die Zinsen wegen anhaltender Gefahren für die Preisstabilität weiter zu anzuheben. Anfang August hatte Trichet noch eine Zinserhöhung signalisiert, indem er von «grosser Wachsamkeit» wegen der Risiken sprach.

Damit hatte die EZB bisher Zinsanhebungen für den nächsten Monat angekündigt. Vergangene Woche hatte Trichet aber ein Abrücken von dem ursprünglichen Plan angedeutet. «Was ich am 2. August gesagt habe, war vor den Marktturbulenzen», sagte er.

Misstrauen bekämpft

Seither hat sich die amerikanische Immobilienkrise zu einem weltweiten Problem ausgeweitet, das in Kurseinbrüchen an den Börsen und milliardenschweren Verlusten bei vielen Banken sichtbar wurde. Aus Misstrauen darüber, welche Verluste in den Geldhäusern aufgelaufen sein könnten, liehen sich die Banken untereinander kaum noch Geld.

Die EZB und andere Zentralbanken mussten hunderte Milliarden zuschiessen, um Liquiditätsengpässe zu verhindern. Die Marktzinsen stiegen so kräftig, als hätte die EZB den Schlüsselzins schon erneut angehoben.

Die Zentralbank sah sich am Donnerstag genötigt, noch einmal 42 Mrd. Euro in den Geldmarkt zu pumpen. Am Mittwoch waren die Sätze für Tagesgeld auf den höchsten Stand seit fast sechs Jahren gestiegen.

Die meisten Experten gehen davon aus, dass die Zentralbank den Zinsschritt zu einem späteren Zeitpunkt nachholen wird. Die EZB hatte den Leitzins seit Ende 2005 von 2 auf 4 Prozent verdoppelt, um den Preisauftrieb während des Aufschwungs in Schach zu halten. Die US-Notenbank Fed hatte wegen der gestiegenen Risiken für die Konjunktur eine Zinssenkung für September angedeutet.

(dapd)

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