Aktualisiert 21.01.2016 13:37

Leitzins auf 0,05 Prozent

EZB setzt Kurs des billigen Geldes fort

Die EZB hält den Leitzins auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent. Dass das billige Geld bisher nicht im gewünschten Mass ankommt, dürfte EZB-Chef Draghi allerdings Sorgen machen.

von
kko
EU-Leitzins bleibt auf Rekordtief: Der Hauptsitz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt.

EU-Leitzins bleibt auf Rekordtief: Der Hauptsitz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt.

Keystone

Die Europäische Zentralbank (EZB) hält an ihrem Kurs des extrem billigen Geldes zunächst unverändert fest. Der wichtigste Zins zur Versorgung der Kreditwirtschaft mit Zentralbankgeld bleibt auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent. Das beschloss der EZB-Rat nach Angaben der Notenbank am Donnerstag in Frankfurt. Der Strafzins für Geld, das Banken über Nacht bei der Notenbank parken, beträgt weiterhin 0,3 Prozent.

Erst im Dezember hatten die Währungshüter ihren Kurs verschärft. Das vor allem in Deutschland umstrittene milliardenschwere Programm zum Kauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren («Quantitative Easing«/QE) wurde um ein halbes Jahr verlängert. Die EZB will nun bis mindestens März 2017 monatlich 60 Milliarden Euro in die Märkte pumpen. Zudem verschärfte die EZB den Strafzins für Bankeinlagen, das soll die Kreditvergabe ankurbeln.

Ölpreisrutsch schürt Hoffnungen auf Ausweitung

Doch weil die Inflation trotz der Massnahmen nach wie vor nur knapp über der Nullmarke dümpelt - für Dezember errechnete das EU-Statistikamt Eurostat eine Jahresrate von 0,2 Prozent - wurden Hoffnungen auf eine Ausweitung der EZB-Geldflut laut. Der Ölpreisrutsch spricht zusätzlich gegen rasch steigende Konsumentenpreise - und nährt am Markt die Hoffnung, dass die EZB nochmal nachlegt.

Die meisten Ökonomen rechnen damit, dass sich EZB-Präsident Mario Draghi weiterhin alle Optionen offenhalten wird, es aber vermeiden wird, eindeutige Signale zu senden. Vor der Dezember-Sitzung waren die Erwartungen derart in die Höhe geschnellt, dass viele Marktteilnehmer im Nachhinein enttäuscht reagierten.

Euro kletterte auf Tageshoch von 1,0974 Franken

Für Erleichterung dürfte der Entscheid hingegen bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) gesorgt haben. Denn die Geldflut der EZB verbilligt den Euro gegenüber dem Franken. Vergrössert die EZB die Geldflut noch weiter, könnte die SNB unter Druck geraten, ebenfalls nachzuziehen. Derzeit pendelt der Euro-Franken-Wechselkurs bei zwischen 1,09 und 1,10 Franken.

Kurz nach der Bekanntgabe des EZB-Entscheides vom Donnerstag gewann der Euro etwas mehr an Wert und kletterte um etwa 0,3 Rappen auf ein Tageshoch von 1,0974 Franken. Danach gab er die Wertgewinne aber grösstenteils wieder ab und bewegte sich auf dem Niveau von 1,095 Franken.

Inflationsprognosen im März

Die Möglichkeit, dass die EZB später weiter nachlegt, bleibt aber bestehen. Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer kann sich eine weitere Lockerung der Geldpolitik schon im März vorstellen. Dann legt die EZB ihre neuen Prognosen für Inflation und Wachstum vor.

«Wir erwarten, dass die EZB 2016 die Geldpolitik noch einmal lockert, weil die Kernteuerungsrate anders als von der Notenbank erhofft nicht anziehen wird und die EZB auch hinsichtlich der Konjunktur zu optimistisch ist», erklärte Krämer. «Für weitere Massnahmen spricht auch, dass sich QE als wenig effektiv erwiesen hat.»

Konjunktur erholt sich nur schleppend

Das viele billige Geld soll über Banken als Kredite bei Unternehmen und Konsumenten ankommen und die Wirtschaft anschieben. Zudem soll die Geldflut die Inflation wieder in Richtung der Zwei-Prozent-Marke treiben, bei der die EZB die Preisstabilität gewahrt sieht.

Ökonomen halten dauerhaft niedrige Preise für eine Konjunkturgefahr: Konsumenten und Firmen könnten Investitionen in Erwartung weiter sinkender Preise aufschieben. Doch trotz des vielen billigen Geldes ist die Inflation weiterhin im Keller, die Konjunktur im Euroraum erholt sich nur schleppend. (kko/sda)

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