Griechen-Pleite: EZB will nicht für Griechenland bluten
Aktualisiert

Griechen-PleiteEZB will nicht für Griechenland bluten

Kommt es in Griechenland zum Schuldenschnitt, müssen sich die Gläubiger einen Grossteil ihres Geldes ans Bein streichen. Nicht so die Europäische Zentralbank EZB. Sie zieht sich mit einem Trick aus der Affäre.

von
sas
Greift die EZB den Griechen erneut unter die Arme? Am Montag dürfte die Zentralbank gemeinsam mit dem IWF und der EU-Kommission ein weiteres Rettungspaket beschliessen.

Greift die EZB den Griechen erneut unter die Arme? Am Montag dürfte die Zentralbank gemeinsam mit dem IWF und der EU-Kommission ein weiteres Rettungspaket beschliessen.

Bisher war die Europäische Zentralbank (EZB) in der griechischen Schuldentragödie meist Retterin in höchster Not. Sie kaufte im Rahmen von höchst umstrittenen Aktionen griechische Titel im Nennwert von 55 Milliarden Euro zusammen. Nun befürchtet man in Brüssel, dass die Anleihekäufe die Notenbank teuer zu stehen kommen könnten – und sorgt vor.

Angeblich wird Griechenland schon in den nächsten Tagen ein Gesetz erlassen, wonach für einen Teil der Staatsanleihen neue Bedingungen gelten sollen. Demnach könnte eine Gläubigerversammlung einen für alle Gläubiger bindenden Teilverzicht beschliessen. Die EZB hat zwar als einzelne Institution am meisten Forderungen gegenüber den Griechen, die Mehrheit aller Schulden hat sie aber nicht. Die Zentralbank könnte also überstimmt werden und müsste beim Schuldenverzicht mitmachen.

Neue Seriennummer

Damit die Zentralbank nun nicht von einem gemeinsam beschlossenen Schuldenverzicht betroffen ist, hat sie ihre griechischen Staatspapiere bei der Regierung in Athen in neue umgetauscht. Die neuen Bonds sind angeblich identisch mit den alten, bis auf ihre Seriennummern. Die neuen Nummern sind aber von der Umschuldungsklausel ausgenommen. Eine Sprecherin der EZB wollte den Sachverhalt gegenüber der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» nicht kommentieren. Aus dem Umfeld des Direktoriums wurde jedoch bestätigt, dass bald eine Lösung für die von der EZB gehaltenen Griechenland-Anleihen gefunden werde.

Wie wasserdicht der Trick mit den Seriennummern ist, wird sich weisen. Kritiker glauben, dass die lediglich durch Umbenennung erreichte Besserstellung der Notenbanken vor Gericht angreifbar ist. Den Geschäftsbanken – die nicht zur bessergestellten Gruppe gehören – dürfte das Vorgehen der Notenbanken womöglich missfallen.

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