Neuer Armee-Kampfjet: F-35-Beschaffung könnte bis zu eine Milliarde Franken teurer werden
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Neuer Armee-KampfjetF-35-Beschaffung könnte bis zu eine Milliarde Franken teurer werden

Die Kosten für den neuen Tarnkappen-Kampfjet steigen in den USA ins Unermessliche. Davon betroffen ist auch die Schweiz: Wartet sie weiterhin mit einer Bestellung zu, drohen Hunderte Millionen Mehrkosten. Die Linke ist empört.

von
Patrick McEvily
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36 Flieger des Typs F-35 vom US-Hersteller Lockheed Martin will die Schweiz bestellen.

36 Flieger des Typs F-35 vom US-Hersteller Lockheed Martin will die Schweiz bestellen.

Schweizer Armee
Linke Kreise haben eine Initiative gegen den Kauf eingereicht. Wann über diese abgestimmt wird, ist noch unklar.

Linke Kreise haben eine Initiative gegen den Kauf eingereicht. Wann über diese abgestimmt wird, ist noch unklar.

GSoA Schweiz/GSsA Suisse
Die Schweizer Luftwaffe hält trotz mehrerer Berichte in jüngster Vergangenheit über die hohen Kosten beim Jet am Kauf fest. 

Die Schweizer Luftwaffe hält trotz mehrerer Berichte in jüngster Vergangenheit über die hohen Kosten beim Jet am Kauf fest. 

20min/dk

Darum gehts

Die lange Geschichte um den neuen Schweizer Kampfjet dürfte um ein Kapitel reicher sein: Wie die «SonntagsZeitung» gestützt auf US-amerikanische Dokumente schreibt, könnte die Beschaffung der 36 neuen F-35-Jets der Schweizer Armee teurer zu stehen kommen als bislang erwartet. Aufgrund von Lieferverzögerungen, gestiegenen Anforderungen und der Teuerung in den USA geht das dortige Verteidigungsministerium derzeit von Mehrkosten von über 20 Millionen Franken pro Flieger aus. Auf die 36 Bestellungen aus Bern umgerechnet, bedeutet dies weit über eine halbe Milliarde Franken mehr – und es könnte noch teurer werden.

Schweiz ist einer von mehreren Bittstellern

Neueste Budgetzahlen der US Air Force zeigen, dass der F-35-Jet, den die US-Regierung beim Hersteller Lockheed Martin in Auftrag gegeben hat, massive Mehrkosten verursacht. Die Kosten für einen einzigen Flieger des Typs, der eine lange Vorgeschichte in der Entwicklung hat, dürften sich innerhalb vor nun einem Jahr um einen Viertel erhöhen. Aus diesem Grund werden die USA im kommenden Jahr nur noch 33 statt wie dieses Jahr 48 Flieger des Typs bestellen.

Neben den USA haben mehrere weitere Nato-Staaten Bestellungen eingereicht – jüngst Deutschland und Finnland. In der Schweiz hat der Jet in den vergangenen Jahren für hitzige Debatten geführt. Nachdem das Stimmvolk im Herbst 2020 nur knapp Ja zu einem neuen Kampfjet sagte, kommunizierte die Landesregierung im vergangenen Jahr den Entscheid zugunsten des US-Modells. Linke Kreise kündigten sofort eine Volksinitiative gegen den Kauf an, die derzeit noch hängig ist. Würde das Anliegen durchkommen, wäre ein Kaufverbot in der Bundesverfassung verankert.

«Beim F-35 haben wir absolut keine Kostentransparenz»

Die neuen Zahlen aus den USA giessen zusätzliches Öl ins Feuer der Debatte rund um die «Stopp F-35»-Initiative. Kritiker der Initiative monieren bereits heute, dass diese einen weiteren Kostenanstieg beim Kauf verursache. Verteidigungsministerin Viola Amherd ist gemäss eines Berichts der Tamedia-Zeitungen vom Mittwoch so frustriert, dass sie einen Kauf noch vor der Abstimmung plant. Unterstützung erhält sie dabei von bürgerlicher Seite.

Mit jedem Tag, den Bern mit dem Kaufentscheid zuwartet, könnten die Kaufkosten, welche die Schweiz für den Jet berappen muss, weiter ansteigen. Wie die «SonntagsZeitung» schreibt, sind die effektiven Kosten nämlich Preisschwankungen ausgesetzt: Ein Passus in den Kaufbedingungen besage dies. Beim VBS beharrt man aber auf dem Standpunkt, dass die Kosten mit dem Hersteller festgelegt seien. Diese Unsicherheit dürfte die Kritik in linken Kreisen weiter befeuern. «Wir haben beim F-35 absolut keine Kostentransparenz», erklärt SP-Nationalrätin Sarah Wyss denn auch gegenüber der «SonntagsZeitung».

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