Aktualisiert 17.07.2014 15:54

«99 Days of Freedom»Facebook-Abstinenz soll glücklich machen

Über 20'000 Menschen auf der ganzen Welt verzichten 99 Tage lang auf Facebook. Das soll ihre Lebensqualität steigern - kann aber auch zu Entzugserscheinungen führen.

von
sts

Die niederländische Agentur Just hat die Aktion «99 Days of Freedom» lanciert. Die Teilnehmer sollen 99 Tage lang auf Facebook verzichten. Technisch ist das ziemlich einfach: Man ändert sein Profilbild zum Logo der Aktion und bleibt dem sozialen Netzwerk anschliessend für gut drei Monate fern. «Geniess das Leben», wird der letzte Schritt des Projekts genannt. Mithilfe eines persönlichen Countdowns wird angezeigt, wie viele Tage, Stunden, Minuten und Sekunden noch fehlen bis zum nächsten Login auf der Plattform. Optional kann die E-Mail-Adresse hinterlassen werden, um nach 33, 66 und 99 Tagen an anonymen Umfragen zum Wohlbefinden teilzunehmen.

Damit soll ein Gegenpol zum umstrittenen Experiment geschaffen werden, bei dem Facebook versucht hatte, die Emotionen seiner Nutzer zu beeinflussen. Die User waren nicht über den Versuch im Jahr 2012 informiert worden. Das Psycho-Experiment hat einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Der britische Datenschutz soll nun eine Klage gegen Mark Zuckerbergs Unternehmen überprüfen.

Bei «99 Days of Freedom» dagegen erfolgt die Partizipation bewusst und freiwillig. Teilnehmern winken laut der Website der Initianten durchschnittlich 28 Stunden mehr Lebenszeit. Das Ziel sind 700'000 Facebook-Abstinenzler auf Zeit. Am gestrigen Mittwoch machten erst knapp 22'000 User mit. Wie es ihnen dabei ergeht, soll mithilfe der anonymen Umfrage herausgefunden werden. Erste Ergebnisse sind also frühestens in gut einem Monat zu erwarten.

Alternativen werden gefunden

Laut Manuel P. Nappo, Leiter des Studiengangs Social Media Management an der Hochschule für Wirtschaft Zürich (HWZ), könnten bei Heavy-Usern zu Beginn des Experimentes Entzugserscheinungen auftreten. «Es ist vergleichbar mit einem Rauchstopp und der Leere nach der Fussball-WM», erklärt Nappo. Zudem sei es möglich, dass das Zusammengehörigkeitsgefühl mit dem Umfeld leide. Das Bedürfnis nach sozialem Austausch werde wahrscheinlich bald über einen anderen Kanal wie etwa WhatsApp befriedigt. Fehlen könne den Usern allerdings der voyeuristische Aspekt von Zuckerbergs Plattform.

Andere Nutzer, die das soziale Netzwerk nicht so häufig konsultierten, spürten mit einer 99-tägigen Abstinenz hingegen fast keine Veränderungen. «Wer sich bloss zwei- bis dreimal pro Woche auf Facebook einloggt, muss mit dem Verzicht kein Opfer bringen», sagt der Social-Media-Experte.

Könnten Sie für 99 Tage auf Facebook verzichten? Machen Sie mit bei unserer Umfrage.

Ohne Smartphone herrscht Panik

Nimmt man Menschen ihr Smartphone weg, werden sie unruhig. Zu diesem Schluss kommen Forscher der California State University. Das Team um Larry Rosen hat das Nutzungsverhalten von 163 Studenten analysiert. Die Probanden waren in drei Gruppen aufgeteilt: Solche, die ihr Handy selten, häufiger und sehr oft nutzen. Schon nach zehn Minuten waren jene, die ihr Smartphone sehr viel nutzen, deutlich angespannter als jene, die es nur selten gebrauchten, berichten die Forscher im Fachmagazin «Computers in Human Behavior». Die Anspannung nahm insgesamt bis zum Ende des Experiments zu.

Eine andere, von Motorola in Auftrag gegebene Studie besagt, dass fast die Hälfte der Teilnehmer keinen Tag auf ihr Handy verzichten wollten selbst wenn sie dafür 100 Dollar bekämen. Anders sieht die bei den Lesern von 20 Minuten aus. 92 Prozent würden ohne zu Zögern einen Tag lang auf ihr Gerät verzichten, wenn sie dafür 100 Franken bekommen würden. Nur sieben Prozent können sich keinen Tag ohne Handy vorstellen. An der Umfrage nahmen insgesamt 16861 Personen teil. Ein Prozent gab an, gar kein Smartphone zu besitzen. tob

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