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Demokratie@HOME«Facebook bricht alte Polit-Zirkel auf»

Twitter oder Facebook habe ihm noch keine einzige Wählerstimme gebracht, ist Cédric Wermuth überzeugt. Ist Social Media als Wahlhelfer also völlig überbewertet? Eine kritische Diskussion.

von
oku

Aufzeichnung der Live-Diskussion vom 10. Oktober zur Frage, welche Auswirkung Facebook, Twitter & Co für die anstehenden Wahlen in der Schweiz haben. Die Teilnehmer von links: SP-Nationalratskandidat Cédric Wermuth, Medienwissenschaftler Michael Latzer von der Uni Zürich, Nahostexperte Erich Gysling und Detlef Vögeli, Projektleiter beim Stapferhaus Lenzburg und Moderator.

In knapp zwei Wochen wählt die Schweiz ein neues Parlament. Immer mehr Politiker gehen auch im Netz auf Stimmenfang, sei es auf Facebook, Twitter oder YouTube. «Im Vergleich zu Plakatkampagnen ist dies eine extrem günstige Möglichkeit, seine Botschaft direkt an die Leute zu bringen», sagt der SP-Nationalratskandidat Cédric Wermuth, der 1 300 Follower auf Twitter hat und sich täglich mit seiner Zielgruppe auf Facebook austauscht. Mitmachen im Netz um jeden Preis sei aber nicht alles: «Wenn man nichts zu sagen hat, schweigt man besser – auch online», sagt Wermuth.

Der Medienwissenschaftler Michael Latzer von der Universität Zürich räumt dem Social Web als politischer Meinungsmacher insgesamt kein grosses Potenzial ein: «Es wird wegen Facebook und Twitter kaum zu grossen Verschiebungen kommen», prophezeit er für die kommenden Wahlen.

Social Web nur ein Ventil?

Nicht nur in der Schweiz wird im Netz mobilisiert: Die Aufstände im arabischen Raum werden auch als Facebook-Revolutionen bezeichnet. In Medienberichten war immer wieder die Rede davon, wie sich die jungen Menschen im arabischen Raum dank sozialen Netzwerken Gehör verschaffen und ihre Regimes stürzen konnten. Der Nahostexperte Erich Gysling relativiert allerdings die Bedeutung von Facebook und Twitter während des arabischen Frühlings: «Auf diese Weise liessen sich die Aufstände zwar schneller organisieren. Die Ursache für den Aufbruch war jedoch eine tiefe und weit verbreitete Unzufriedenheit mit den bestehenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnissen.»

Welche Chancen bietet das Internet für die Demokratie tatsächlich? Welche Rollen spielen Blogs und soziale Netzwerke im politischen Meinungsbildungsprozess? Hat das Internet tatsächlich die Machtverhältnisse auf den Kopf gestellt, oder taugt es bloss als Ventil für Wutbürger? Antworten gibt das Video zur Podiumsdiskussion.

Ausstellung im Stapferhaus

Die Ausstellung «HOME – Willkommen im digitalen Leben» lädt zum sinnlichen Besuch in die «gute Stube» der Generation Internet und schlägt Brücken zu allen, die in der digitalen Welt nicht zu Hause sind. Sie richtet sich an Jugendliche und Rentner, an Internetjunkies und Medienabstinente. Gespräch inkl. Ausstellung Fr. 25.- (nur Gespräch: Fr. 15.-)

Die Ausstellung des Stapferhauses Lenzburg im Zeughaus Lenzburg dauert noch bis zum 27. November. Mehr auf www.stapferhaus.ch

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