Aktualisiert 11.01.2016 16:28

Sexuelle Übergriffe Facebook-Bürgerwehr will Berner Frauen schützen

Selbsternannte Wächter wollen künftig durch Bern patrouillieren und Frauen beschützen. Online organisieren sie sich nun über Facebook.

von
Mira Weingartner
Auf Facebook will sich eine Art Bürgerwehr bilden.

Auf Facebook will sich eine Art Bürgerwehr bilden.

Kein Anbieter/Printscreen Facebook

Die sexuellen Übergriffe am Kölner Bahnhof vom vergangenen Silvester schockieren nach wie vor viele. Auch in Bern scheint das Sicherheitsgefühl zu bröckeln. Eine Facebook-Gruppe will nun in der Stadt eine Art Bürgerwehr gründen. Unter dem Namen «Einer für alle, alle für einen. Bern passt auf» versucht die Gruppe, «Strukturen zu organisieren, bevor auch Bern Opfer wird».

Gesucht werden hierfür etwa Helfer für «Aufpass-Kontrollen» oder Leute, die sich mit Sicherheitsdiensten auskennen. Diese sollten auf organisierten Rundgängen im Ernstfall intervenieren. Interessierte verweisen die Administratoren an eine analoge Idee aus Düsseldorf. Dort hat der Iraner Hamid Tofigh via soziale Medien eine Bürgergarde gegründet.

Erste Patrouillen durchgeführt

Mit Erfolg: Über 13'000 Personen haben sich online dem Vorhaben des Familienvaters angeschlossen. Am vergangenen Samstag patrouillierten die ersten 50 «Aufpasser» durch die deutsche Stadt. «Wir sind nur da, um den Mädchen und Frauen ein sicheres Gefühl zu geben», sagt der Organisator in einem Interview mit Focus online. Gewalt lehnt der Initiant ab – bewaffnet sei die Garde einzig mit Handys, um die Polizei zu rufen und vor Ort Beweis-Fotos zu schiessen.

Polizei wenig erfreut

In Deutschland ist man über die selbsternannten Wächter wenig erfreut: Für dortige Polizisten seien die Facebook-Patrouillen eine zusätzliche Belastung, heisst es in verschiedenen Medien.

«Ein Dazwischengehen ist immer mit Risiken verbunden», meint auch Christoph Gnägi, Sprecher der Kantonspolizei Bern. Zudem müsse beachtet werden, dass private Patrouillen nicht mehr Rechte und Pflichten haben als andere Zivilpersonen. Dennoch begrüsst man von Seiten der Polizei ein gesundes Mass an Zivilcourage. Richtig handeln heisse aber, im Ernstfall die Polizei zu avisieren, sich so viele Details wie möglich zu merken sowie allfällige Zeugen zu bitten, bis zum Eintreffen der Polizei zu warten oder deren Kontaktdaten zu notieren.

Die Berner Initianten waren für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

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