Oculus Rift: Facebook-Cyberbrille im Militär-Einsatz
Aktualisiert

Oculus RiftFacebook-Cyberbrille im Militär-Einsatz

Die norwegische Armee testet den militärischen Nutzen der Virtual-Reality-Brille Oculus Rift. Sie soll Panzerfahrern nicht nur Rundumsicht ermöglichen.

von
Philipp Stirnemann

Oculus Rift ist nach Ansicht des norwegischen Militärs weit mehr als nur ein nettes Spielzeug für Gamer. Die Virtual-Reality-Brille des kürzlich von Facebook aufgekauften US-Unternehmens Oculus VR soll Panzerfahrern eine bessere Sicht verschaffen. Diese ist normalerweise stark eingeschränkt.

Für das Schlachtfeld-Panorama wird die Karosserie eines Panzers auf allen Seiten mit Kameras bestückt und die Aufnahmen in Echtzeit in ein 360-Grad-Video konvertiert. Für den Oculus-tragenden Fahrer entsteht so der Eindruck, als sässe er in einem durchsichtigen Gefährt.

Rundumsicht und taktische Vorteile

Oculus Rift soll aber nicht nur das Problem der eingeschränkten Perspektive beheben. Die Norweger versprechen sich auch taktische Vorteile durch den Einsatz des Hight-Tech-Gadgets. So wäre es theoretisch auch möglich, die Virtual-Reality-Aufnahmen im Stil eines Navis oder nach dem Google-Maps-Prinzip mit Kartenmaterial zu überlagern. Somit fänden sich Panzerverbände auch in unbekanntem Terrain besser zurecht. Schliesslich wäre es auch möglich, mithilfe von Oculus Rift die Statusanzeigen des Panzers ins Blickfeld des Fahrers zu projizieren.

Ola Petter Odde, Major bei den norwegischen Streitkräften, verspricht sich einiges vom Oculus-Konzept. Zwar sei die Bildauflösung noch zu gering, um auch grössere Distanzen zu überblicken. Auch könne die Brille beim Fahrer Schwindelgefühle hervorrufen, doch glaubt er daran, dass diese Punkte schnell verbessert würden, wie er gegenüber der norwegischen Zeitung Teknisk Ukeblad sagt. Bei den bisherigen Tests gelang es den norwegischen Panzerfahrern, ihre Gefährte auf einen Zentimeter genau ohne die Hilfe des Kommandanten nebeneinander zu parkieren.

Günstiges System, auch für die Schweiz?

Die Oculus-Technologie scheint nach den bisherigen Tests vielversprechend zu sein. Die Prototypen des Systems inklusive Kameras kosten rund 2000 Dollar, was einen Fünfzigstel der Kosten eines herkömmlichen Militär-Videosystems ausmachen soll.

Beim Eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) ist die Oculus-Rift-Technologie derzeit kein Thema. Gemäss Armeesprecher Walter Frik verwendet die Schweizer Armee zur Ausbildung von Panzerbesatzungen aber Simulatoren mit ähnlichen Merkmalen. Für Ausbildungszwecke genüge eine Brille wie Oculus Rift allerdings kaum, «da insbesondere die Bedienelemente wie Schalter, Funkgeräte und dergleichen dabei fehlen, respektive nicht physisch bedient werden könnten».

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