Facebook entlässt Mitarbeiter, die Nutzerinnen ausspionierten
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Zugriff missbrauchtFacebook entlässt Mitarbeiter, die Nutzerinnen ausspionierten

Ein neues Buch enthüllt Geheimes aus dem Inneren von Facebook: 52 Entwickler haben ihre Position und Privilegien missbraucht und so sensible Daten von Frauen abgegriffen.

von
Tobias Bolzern
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Mehr als 50 Facebook-Entwickler haben Frauen über interne Facebook-Systeme ausgespäht. 

Mehr als 50 Facebook-Entwickler haben Frauen über interne Facebook-Systeme ausgespäht.

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Sie missbrauchten den Zugriff und sahen so teilweise sensible Daten, etwa den Standort der Person in Echzeit.

Sie missbrauchten den Zugriff und sahen so teilweise sensible Daten, etwa den Standort der Person in Echzeit.

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Ein Entwickler stalkte eine Frau in einem Hotel (Symbolbild).

Ein Entwickler stalkte eine Frau in einem Hotel (Symbolbild).

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Darum gehts

  • Facebook-Entwickler haben Frauen via Facebook belauscht.

  • Sie sahen viele Details über die Personen, etwa ihre Standorte in Echtzeit.

  • Dazu missbrauchten sie ihre Privilegien als Facebook-Angestellte.

Die Autorinnen Cecilia Kang und Sheera Frenkel berichten in ihrem Buch «An Ugly Truth: Inside Facebook's Battle for Domination» von massiven Missständen im Entwicklerteam der Social-Media-Plattform Facebook. In einem Zeitraum von Januar 2014 bis August 2015 sollen 52 Facebook-Mitarbeiter gegen interne Regeln verstossen haben, um sich so unerlaubt Zugriff auf Daten zu verschaffen.

Unter den Verstössen waren mehrere Männer, die sich die Profildaten ihrer Dates ansahen. «Die internen Systeme von Facebook bieten einen reichen Fundus an Informationen, darunter private Chats des Facebook Messengers, besuchte Events, Likes, die man abgegeben oder Beiträge, die man angeklickt hat und Fotos – auch solche, die man gelöscht hat», schreiben die Autorinnen in einem Artikel auf Telegraph.co.uk.

Frau in Hotel gefunden

Ein Programmierer, der seinem Date nachstellte, sah im System etwa die Kategorien, in die Facebook die Frau für Werbetreibende eingeordnet hatte: Laut Facebook war sie in ihren Dreissigern, führte ein aktives Leben und war politisch links. Abgedeckt war auch ein ganzes Spektrum an Interessen – ihre Liebe zu Hunden und ihr Aufenthalten in Südostasien. Zudem sah der Mann über die Facebook-App, die auf dem Handy installiert war, ihren Standort in Echtzeit. «Was er zu sehen bekam, war mehr an Informationen, als er im Laufe von Dutzend Dates hätte herausfinden können», schreiben die Autorinnen.

Ein anderer Entwickler ging einen Schritt weiter, heisst es in dem Buch. Er missbrauchte seine Privilegien, um eine Frau zu konfrontieren. Der Mann war mit der Frau nach Europa in die Ferien gereist. Dort zerstritten sie sich und sie zog aus dem gemeinsamen Hotel aus. Der Mann nutzte dann seinen Zugriff auf die internen Daten, um ihren Standort herauszufinden und sie im neuen Hotel aufzuspüren, heisst es.

«Nulltoleranz für Missbrauch»

Laut den zwei Autorinnen wurden 52 Entwickler gekündigt, da sie ihren Zugriff missbraucht hatten. Alle von ihnen hatten Arbeitslaptops genutzt, um auf die Daten zuzugreifen. Zwar wurden die Entwickler bei Antritt ihres Jobs gewarnt, dass sie den Zugriff nicht für persönliche Zwecke nutzen dürfen, doch entsprechende Sicherheitsvorkehrungen gab es laut Telegraph.co.uk damals keine.

«Wir hatten immer eine Nulltoleranz für Missbrauch und haben jeden einzelnen Mitarbeiter entlassen, bei dem ein unzulässiger Zugriff auf Daten festgestellt wurde», erklärt ein Facebook-Sprecher der Nypost.com. Zudem habe man seit 2015 Mitarbeiterschulungen eingeführt, sowie Protokolle zur Missbrauchserkennung und -prävention verbessert. «Wir reduzieren zudem weiterhin die Notwendigkeit für Entwickler, auf gewisse Arten von Daten zuzugreifen, während sie an der Plattform arbeiten», heisst es.

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von Stalking betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Elternberatung, Tel. 058 261 61 61

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Digital-Push

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So gehts: Installiere die neuste Version der 20-Minuten-App. Tipp unten rechts auf «Cockpit», dann «Einstellungen» und schliesslich auf «Push-Mitteilungen». Beim Punkt «Themen» tippst du «Digital» an – et voilà!

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