Aktualisiert 08.06.2011 07:40

Durch die HintertürFacebook führt Gesichtserkennung ein

Im grössten sozialen Netzwerk wird jedes Foto automatisch gescannt. Wer nicht von «Freunden» markiert werden will, muss die entsprechende Funktion deaktivieren.

von
Daniel Schurter
Die automatische Gesichtserkennung kann in den Facebook-Einstellungen ausgeschaltet werden. (Screenshot: 20 Minuten Online)

Die automatische Gesichtserkennung kann in den Facebook-Einstellungen ausgeschaltet werden. (Screenshot: 20 Minuten Online)

Klammheimlich hat Facebook hierzulande eine heikle Funktion aktiviert: die automatische Gesichtserkennung. Facebook selbst nennt sie harmlos «Fotos: Markierungen vorschlagen» – allerdings dürfte sie vielen Nutzern unangenehm sein - wer will schon vom System automatisch auf allen Bildern markiert werden, die von Freunden ins soziale Netzwerk hochgeladen wurden.

Die Funktion war bereits im Dezember 2010 für Nutzer in den USA eingeführt worden. Nun sind auch alle anderen Facebook-Länder davon betroffen – insgesamt an die 700 Millionen Nutzer. Die Sophos-Sicherheitsexperten finden kritische Worte in ihrem Firmen-Blog «Naked Security».

Schon im Frühjahr hatten sie Facebook einen offenen Brief geschrieben. Darin forderten die Sicherheitsexperten, dass die Privatsphäre der Nutzer besser geschützt werden müsse. Das Veröffentlichen von persönlichen Informationen im sozialen Netzwerk dürfe nur mit ausdrücklicher Zustimmung der Betroffenen erfolgen.

Es droht Missbrauch

Wie das aktuelle Beispiel zeigt, ist Facebook alles andere als einsichtig. Wer die Funktion nicht von eigener Hand deaktiviert hat, dessen Gesicht wird automatisch erkannt und kann auf den Bildern markiert werden.

Natürlich ist die automatische Gesichtserkennung nützlich, wenn man die Bedenken bezüglich Datenschutz und drohendem Missbrauch beiseite schiebt. Schliesslich dient die Funktion der (noch) besseren Vernetzung mit den Freunden. Sobald ein Nutzer Bilder ins soziale Netzwerk hochlädt, vergleicht Facebook die darauf abgebildeten Gesichter mit der Datenbank.

Gefahren lauern

Wird jemand erkannt, schlägt das System vor, das Gesicht zu markieren. Das heisst, das Bild wird mit dem entsprechenden Namen und Profil verknüpft. Immerhin: Facebook hat mehrfach verlauten lassen, dass sich nur Freunde gegenseitig auf Fotos «taggen» können. Das ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass dadurch hochsensible Informationen gespeichert werden.

Angesichts der immer wieder vorkommenden Hacker-Angriffe sind die Nutzerdaten alles andere als sicher. Zum Problem könnte die Verknüpfung von Bild und Namen auch ausserhalb von Facebook werden. Schon heute existiert Software, um in den Weiten des Webs gezielt und vollautomatisch nach einem einzelnen Gesicht zu suchen. Solche Programme scannen automatisch alle gefundenen Bild-Dateien und prüfen sie auf die gesuchten biometrischen Daten.

Funktion deaktivieren

Die automatische Gesichtserkennung kann in den Privatsphäre-Einstellungen im Facebook-Profil deaktiviert werden. Sie findet sich im Bereich «Inhalte auf Facebook teilen» und heisst «Freunden Fotos von mir vorschlagen». Im Popup-Menü kann die Funktion gesperrt werden (siehe Bild).

Wer auf einem Foto eines Freundes markiert wird, erhält laut Facebook jeweils eine Mitteilung. Stört man sich an der Markierung, kann man sie löschen und damit angeblich rückgängig machen. Dass die Daten-Verknüpfung trotzdem irgendwo im allmächtigen Facebook-Gedächtnis gespeichert bleibt, muss fast angenommen werden.

Google beschwichtigte

Der Schweizer Datenschützer, Hanspeter Thür, hat sich wiederholt kritisch geäussert zur elektronischen Gesichtserkennung. In Zusammenhang mit Googles Online-Dienst Street View waren Befürchtungen wegen des Datenschutzes laut geworden. Der Suchmaschinen-Konzern musste mehrfach dementieren, dass die Gesichtserkennung bei Street-View-Aufnahmen geplant sei.

Hingegen verfügt Googles Bildbearbeitungs-Software Picasa über eine Funktion, um Gesichter von Bekannten zu erkennen.

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