Neues Gesetz: «Facebook führt sich auf wie ein nordkoreanischer Diktator»
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Neues Gesetz«Facebook führt sich auf wie ein nordkoreanischer Diktator»

Seit Donnerstag dürfen in Australien über Facebook keine News mehr verbreitet werden. Die Reaktionen auf diesen Nachrichten-Stopp sind heftig.

von
Dominique Zeier
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So sehen die News-Seiten von australischen News-Outlets momentan auf Facebook aus.

So sehen die News-Seiten von australischen News-Outlets momentan auf Facebook aus.

Grund dafür ist ein News-Stopp, den Facebook für das Land ausgerufen hat. 

Grund dafür ist ein News-Stopp, den Facebook für das Land ausgerufen hat.

REUTERS
Betroffen sind alle News-Outlets, egal ob gross oder klein. 

Betroffen sind alle News-Outlets, egal ob gross oder klein.

Darum gehts

  • In Australien können seit Donnerstag keine News mehr über Facebook verbreitet oder weitergeleitet werden.

  • Grund dafür ist ein News-Stopp, den Facebook ausgerufen hat.

  • Dies ist eine Reaktion auf ein neues Gesetz, laut welchem Facebook neu für kopierte Inhalte von News-Outlets bezahlen müsste.

  • Die Reaktionen auf den News-Stopp von Facebook sind heftig.

Seit Donnerstagmorgen können auf Facebook in Australien keine News mehr gelesen oder geteilt werden. Versucht eine Nutzerin oder ein Nutzer den Facebook-Auftritt einer australischen News-Plattform aufzurufen, wird nur die Meldung angezeigt, dass sich auf dieser Seite noch keine Posts befinden. In Australien hat dies für grossen Aufruhr gesorgt.

So hat sich Australiens Premierminister Scott Morrison persönlich auf Facebook zu Wort gemeldet. Die Tatsache, dass Facebook Australien die «Freundschaft gekündigt» habe und somit die Menschen von wichtigen Informationen zu Gesundheits- und Notfall-Services abschneide, sei mehr als arrogant und enttäuschend. Morrison befinde sich in konstantem Austausch mit anderen Staatsoberhäuptern, um diese Probleme zu besprechen.

Weiter schreibt der Premierminister: «Diese Handlung zeigt die Besorgnis vieler Länder nur noch deutlicher, was die Machenschaften von grossen Tech-Unternehmen angeht, die denken, sie seien grösser als Regierungen und dass Regeln für sie nicht gelten. Sie verändern vielleicht die Welt, aber das bedeutet nicht, dass sie sie auch regieren.» Australien lasse sich nicht einschüchtern, so Morrison.

«In Mitten einer Pandemie»

Auch der Finanzdirektor von Australien, Josh Frydenberg, kann den Schritt von Facebook nicht verstehen. Er habe einen riesigen Einfluss auf die Gemeinschaft, da rund 17 Millionen Australierinnen und Australier Facebook jeden Monat aufrufen. Der Politiker Mark McGowan zieht noch drastischere Schlüsse und beschuldigt Facebook, sich wie ein «nordkoreanischer Diktator zu verhalten», wie BBC berichtet.

Mit dem News-Bann werden aber auch konkrete Ängste laut. So befürchtet die Direktorin von Human Rights Watch in Australien, Elaine Pearson, beispielsweise, dass die Menschen, die in der jetzigen Zeit mehr denn je auf News angewiesen sind, von essenziellen Informationen abgeschnitten werden. Dem stimmen auch andere Personen zu. Eine Australische Facebook-Userin sagt gegenüber der BBC: «Ich kann einfach nicht glauben, dass sie diese Entscheidung inmitten einer Pandemie treffen.» Sie lösche ihren Facebook-Account sofort.

Wieso kam es überhaupt zum News-Stop?

Grund für die drastische Massnahme vonseiten von Facebook ist ein neues Gesetz in Australien. Dieses soll das Spielfeld zwischen den nationalen und lokalen News-Outlets und den grossen, internationalen Tech-Unternehmen ebnen. Denn augenblicklich gehen von jeden 100 Dollars, die in Australien für digitale Werbung ausgegeben werden, 81 Dollar an Google oder Facebook. Dies stellt selbst für grössere News-Outlets ein grosses Problem dar, ganz zu schweigen von kleineren Medienunternehmen. Neu sollen grosse Tech-Unternehmen für Inhalte bezahlen müssen, die sie von News-Outlets auf ihre Seite kopieren.

Facebook möchte sich diesem neuen Gesetz aber nicht beugen. Man sei «vor eine schwierige Entscheidung gestellt worden». Entweder richte man sich nach einem Gesetz, das «die Realität ignoriere» oder man stoppe den News-Fluss und die News-Services in Australien. Das Unternehmen habe sich «schweren Herzens» für letztere Option entschieden.

Weiter gibt Facebook an, dass sein Service sogar gut für lokale und nationale News-Unternehmen sei und man dabei geholfen habe, Verlegern rund 407 Millionen australische Dollar einzunehmen. Der Profit, den Facebook selbst aus diesen Deals schlage, sei hingegen minimal.

Australien hält am Gesetz fest

Zahlen zeigen, dass die Suche nach Nachrichten und aktuellen News einen grossen Teil der Motivation ausmachen, weshalb Menschen sich in Social-Media-Plattformen einloggen. Laut dem Reuters' Digital News Report steht diese Motivation sogar an dritter Stelle – so auch in Australien. Dort sollen sich rund 36 Prozent aller Facebook-Nutzer in ihre Accounts einloggen, rein um Nachrichten zu lesen. Allerdings bezahlen nur rund 14 Prozent aller Bürgerinnen und Bürger in Australien für Online-News.

Die Regierung Australiens hat aber angekündigt, nach wie vor an der Durchsetzung des neuen Nachrichten-Gesetzes festhalten zu wollen. Konkret soll es nächste Woche in Kraft treten. «Wir wollen, dass die digitalen Giganten für die Verbreitung traditioneller Nachrichten, die von Journalisten erstellt wurden, bezahlen müssen», so Frydenberg.

Anders als Facebook hat Google bereits einen Deal mit drei der grössten australischen Medien-Outlets unterzeichnet, um weiterhin News verbreiten zu dürfen. Wie viel Geld für diese Vereinbarung aufgewendet wurde, ist nicht bekannt.

Digital-Push

Wenn du den Digital-Push abonnierst, bist du über News und Gerüchte aus der Welt von Whatsapp, Snapchat, Instagram, Samsung, Apple und Co. informiert. Auch erhältst du Warnungen vor Viren, Trojanern, Phishing-Attacken und Ransomware als Erster. Weiter gibt es Tricks, um mehr aus deinen digitalen Geräten herauszuholen.

So gehts: Installiere die neuste Version der 20-Minuten-App. Tippe unten rechts auf «Cockpit», dann «Einstellungen» und schliesslich auf «Push-Mitteilungen». Beim Punkt «Themen» tippst du «Digital» an – et voilà!

Deine Meinung

85 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Daniel D

19.02.2021, 22:29

Wer Informationen öffentlich ins Internet stellt, hat kein Recht, deren Verbreitung zu verhindern oder dafür Geld zu verlangen. Die Möglichkeit der freien Meinungsäusserung ist wesentlich wichtiger als der Gewinn von Nachrichtenunternehmen. Zur freien Meinungsäusserung gehört im digitalen Zeitalter auch das Teilen von Nachrichten, was die australische Reigierung mit einem Gesetz verhindern will. Ein Gesetz, das der Mentalität des Postkutschenzeitalsters entspricht. Es ist gefährlich, wenn Staaten versuchen, das Internet zu kontrollieren.

EchelonNSA

19.02.2021, 21:20

Facebook und WhatsApp vor Jahren gelöscht = Viel mehr Zeit für die wichtigen Dinge des Lebens! Möglichst wenig Infos geben....

StefanS79

19.02.2021, 20:57

wen störts? wer liest schon News auf Facebook? falls ich etwas lesen möchte gehe ich auf verschiedene Webseiten unterschiedlicher Medien. Möchte selber entscheiden was und wo ich etwas lesen möchte!