Vorfahren online: «Facebook für Verstorbene» wächst rasant
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Vorfahren online«Facebook für Verstorbene» wächst rasant

Zentralschweizer Familienforscher betreiben eine Datenbank für verstorbene Personen im Internet. Der eidgenössische Datenschützer ist skeptisch.

von
gwa
Bernhard Wirz will das visuelle Andenken der Verstorbenen bewahren.

Bernhard Wirz will das visuelle Andenken der Verstorbenen bewahren.

Es ist ein Blick in die Vergangenheit, den die Zentralschweizer Gesellschaft für Familienforschung den Internetusern mit dem Porträt-Archiv auf genealogie-zentral.ch eröffnet. Dort können Interessierte Bilder von Verstorbenen mit Angaben wie Todesdatum, Wohnort oder verwandtschaftlichen Beziehungen einsehen. Einträge hochladen kann laut der «Heimat» jeder.

«Wir wollen sicherstellen, dass das Bild eines Menschen nicht vergessen geht», sagte Initiant Bernhard Wirz auf Anfrage. Ende 2011 wurden erste Porträts veröffentlicht, derzeit sind 75 000 Einträge gespeichert. «Wöchentlich kommen 1000 dazu», so Wirz. Noch seien vorwiegend Personen aus der Zentralschweiz eingetragen. Doch: «Das Archiv kennt keine Landesgrenzen.» Eine französische Version existiert bereits, eine englische sei in Vorbereitung.

«Jeder Eintrag wird kontrolliert»

Mit dem Datenschutz hat man laut Wirz beim Porträt-Archiv kein Problem. Für die Einträge würden Quellen wie Leidbildchen oder auch Todesanzeigen verwendet. «Jeder Eintrag wird kontrolliert. Wir veröffentlichen keine Daten, die über die Intimsphäre hinausgehen», sagt Wirz.

Der eidgenössische Datenschutz ist aber skeptisch: «Die Todesanzeigen werden zweckentfremdet – dafür wäre eine Einwilligung der Angehörigen nötig», sagt Sprecherin Eliane Schmid. So könnten Persönlichkeitsrechte naher Angehöriger verletzt werden. Gegenüber verstorbenen Personen würden jedoch keine Rechte verletzt: «Der Persönlichkeitsschutz erlischt mit dem Tod».

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