Aktualisiert 11.08.2009 20:10

EchtzeitsucheFacebook greift Twitter frontal an

Das soziale Netzwerk hat eine neue Suchfunktion integriert. Damit attackiert es den Microblogging-Dienst, der jüngst Vergleichbares präsentierte, an seiner empfindlichsten Stelle. Aber auch Google schläft nicht.

von
hst

Ausser der Übernahme des Webdienstes FriendFeed hat Facebook gestern Abend auch den Start seiner neuen Suchfunktion angekündigt. Wie das soziale Netzwerk im firmeneigenen Blog mitteilte, wurde das Angebot bereits seit Juni getestet und wird nun allen Mitgliedern zugänglich gemacht.

Wichtigste Neuerung ist, dass User nun auch bis zu 30 Tage alte eigene Beiträge und solche anderer Nutzer durchsuchen können, welche sie für die Öffentlichkeit freigegeben haben. Wie bisher sind freigegebene Profildaten, Gruppen und Anwendungen und Facebook-Seiten auffindbar. Damit greift Facebook den Microblogging-Dienst Twitter da an, wo es weh tut. Denn letztgenannter hatte kürzlich eine neue Startseite ins Netz gestellt, die sich vor allem auf die Echtzeitsuche konzentriert, wie 20 Minuten Online berichtete. Nun kann man auch bei Facebook nachschauen, was Freunde bewegt und wird informiert, wenn sich neue Ergebnisse zur Suchanfrage finden liessen. Ausserdem gab Facebook bekannt, dass die Websuchfunktion nun nicht mehr über eine eigene Seite, sondern einen der zahlreichen Auswahlfilter nutzbar wird. Das soziale Netzwerk hat nun auch offiziell Technologie von Microsofts im Juni gestarteter Suchmaschine «bing» an Bord. Die Redmonder hatten im Oktober 2007 einen Anteil von 1,6 Prozent an Facebook für 240 Millionen US-Dollar erworben.

In wie weit Facebook zur echten Suchmaschinenalternative wird, hängt auch davon ab, wie viele Nutzer ihre Updates für alle Mitglieder freigeben. Wie TechCrunch.com erfahren haben will, soll Facebook an neuen Privatsphäre-Einstellungen arbeiten, die es ermöglichen sollen, genauer zu definieren, welche Daten für alle einsehbar sein sollen. Fakt ist: Facebook spielt mit etwa 250 Millionen Mitgliedern im Vergleich zu Twitter, welches rund sechs Millionen hat, in einer anderen Liga.

Google zieht nach

Das gilt im Vergleich zu Facebook aber auch für Google, die mit Abstand grösste Suchmaschine der Welt. Dass sie Facebooks Treiben nicht tatenlos zusieht, macht ein aktueller Beitrag im Unternehmensblog deutlich, in dem eine verbesserte Suche, welcher unter dem Codenamen «Caffeine» entwickelt wird, in Aussicht gestellt wird. Google fordert Entwickler auf, diese auf einer eigens eingerichteten Webseite zu testen, deren Oberfläche wie die bereits bekannte Seite aussieht. Verbesserungen sollen unter der Haube stecken und vor allem passendere Treffer liefern. Zudem sollen neue Inhalte schneller in den Index aufgenommen und somit auch mit weniger Zeitverlust für Nutzer auffindbar werden, wie die Google-Mitarbeiter Matt Cutts und Sitaram Iyer schreiben. Bereits Anfang Juni hatte Jürgen Galler, Director Product Management EMEA bei Google, im Gespräch mit 20 Minuten Online gesagt: «Ob eine Echtzeitsuche technisch für uns möglich ist, dazu gibt es bei Google mit Sicherheit hunderte Meinungen. Die Zeitverzögerung wird mit Sicherheit immer geringer – so wie Rechner immer schneller werden.»

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