Aktualisiert 23.03.2013 14:53

Kinderporno geteilt

«Facebook ist für Schutz verantwortlich»

Als gestern tausende Facebook-User ein kinderpornografisches Video sehen konnten, hat die Überwachung des Social-Media-Riesen versagt. Kinderschützer sehen Facebook in der Pflicht.

von
Arno Meili
Widerrechtliche Inhalte auf Facebook: Trotz breiten Schutzmassnahmen kursierte gestern ein kinderpornografisches Video auf der Social Media Plattform.

Widerrechtliche Inhalte auf Facebook: Trotz breiten Schutzmassnahmen kursierte gestern ein kinderpornografisches Video auf der Social Media Plattform.

Ein schockierendes Video mit kinderpornografischem Inhalt hat gestern tausende Facebook-Nutzer erschüttert - 20 Minuten Online berichtete. Die Frage bleibt, weshalb das Video von Facebook erst nach mehreren Stunden entfernt wurde.

Nicht nur viele User halten dies für völlig unverständlich, auch Katrin Meier von Kinderschutz Schweiz ist erschüttert darüber, wie lange das Video auf Facebook zu sehen war. Sie sieht den Internet-Giganten in der Pflicht: «Die Verantwortung liegt einerseits bei Usern, die allenfalls strafrechtsrelevante Inhalte hochladen oder teilen. Andererseits ist Facebook verantwortlich dafür, effektive Schutzmechanismen für Kinder aber auch generell bezüglich illegalen Inhalten einzubauen.» In eine ähnliche Richtung zielt auch Laurent Sédano, Medienexperte von Pro Juventute: «Wir fordern von Anbietern, dass sie alle möglichen Massnahmen zum Jugendschutz ergreifen.»

Für effektiven Schutz: User müssen Inhalte melden

Seiner Meinung nach steht aber vor allem die Sensibilisierung der User mit solchen Themen im Vordergrund. Denn wird ein Video mit kinderpornografischem Inhalt gepostet, können Benutzer dies bei Facebook melden. Darin liegt auch für Facebook Experte Thomas Hutter der Schlüssel zu einem effektiveren Schutz: «Viele User bekommen auf Facebook schreckliche Bilder zu sehen, ohne dies zu melden. Eine Menge Leute wissen nicht einmal, dass man solche Inhalte melden kann.»

Sobald bei Facebook eine Meldung eingeht, wird diese von einem Team überprüft und die entsprechenden Massnahmen werden eingeleitet. Im Falle von Kinderpornografie arbeitet Facebook aktiv mit spezialisierten Strafverfolgungsbehörden und dem «National Center for Missing and Exploited Children» zusammen. Ein Sprecher von Facebook dazu: «Wir haben eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Materialien bezüglich des Missbrauchs von Kindern auf der Plattform und greifen dabei auf industrieführende Massnahmen zurück, um zu versuchen, dieses Ziel zu erreichen.»

Technische Filter von Facebook sind fehleranfällig

Bei der riesigen Menge an weltweiten Facebook-Posts werden manchmal aber auch illegale Inhalte übersehen. Für Thomas Hutter nicht überraschend: «Pro Tag werden circa 3.2 Milliarden Beiträge auf Facebook gepostet. Diese Menge an Daten lässt sich natürlich nicht vollständig manuell kontrollieren.»

Deshalb verwendet Facebook neben der manuellen Kontrolle durch verschiedene Teams vor allem technische Filter, die heikle Inhalte sofort markieren sollen. Laut Hutter sind diese Filter aber unheimlich kompliziert und deshalb auch fehleranfällig. So kann es beispielsweise passieren, dass Bikinifotos gelöscht werden, wenn der Farbfilter zu viel nackte Haut darauf erkennt. «Solche Fälle ziehen dann automatisch eine Menge Reklamationen nach sich», so der Experte.

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