Foto-Sharing: Facebook kauft Instagram

Aktualisiert

Foto-SharingFacebook kauft Instagram

Kurz vor dem geplanten Börsengang wagt das soziale Netzwerk Facebook noch eine dicke Übernahme: Das Unternehmen schluckt für rund eine Milliarde Dollar den Fotodienst Instagram.

Facebook verbessert mit Instagram den Austausch von Fotos.

Facebook verbessert mit Instagram den Austausch von Fotos.

Kurz vor seinem geplanten Börsengang hat Facebook einen Überraschungscoup gelandet und den Fotodienst Instagram gekauft. Eine Milliarde Dollar blättert das soziale Netzwerk für das kleine Unternehmen mit gerade mal einem Dutzend Mitarbeiter hin - eine stolze Summe für ein Startup-Unternehmen. Doch die grösste Übernahme in seiner Unternehmensgeschichte dürfte Facebook aus der Portokasse bezahlen. Schliesslich bereitet es sich auf einen gigantischen Börsengang in wenigen Wochen vor und strebt eine Bewertung von 100 Milliarden Dollar an.

Instagram ermöglicht es seinen Nutzern, ihre mit mobilen Endgeräten geschossenen Fotos mit Freunden und Fremden austauschen. Instagram ist nur wenig mehr als ein Jahr alt, verfügt aber bereits über rund 30 Millionen Nutzer. Das Technologieunternehmen Apple wählte die Anwendung 2011 zur iPhone-App des Jahres.

Instagram soll eigenständig bleiben

«Das ist ein wichtiger Meilenstein für Facebook, weil wir erstmals ein Produkt und ein Unternehmen mit so vielen Nutzern gekauft haben», schrieb Vorstandsvorsitzender Mark Zuckerberg auf seiner Facebook-Seite. Sie hätten nicht vor, noch viele Zukäufe dieser Art zu tätigen, falls überhaupt noch welche. Die Übernahme des in San Francisco ansässigen Fotodienstes soll bis Ende Juni endgültig unter Dach und Fach sein.

Bei Instagram sollen die Betriebsabläufe nach Facebook-Angaben weiter unabhängig vom sozialen Netzwerk weitergehen. Damit weicht Facebook von der Praxis ab, kleine Startup-Unternehmen aufzukaufen und deren Technologie zu integrieren oder diese für Neueinstellungen gleich ganz aufzulösen. Das Dutzend Instagram-Angestellte wird den Angaben zufolge von Facebook übernommen.

Instagram solle eigenständig weiterarbeiten und nicht mit Facebook-Angeboten verschmolzen werden, versprach Zuckerberg. Die Nutzer könnten ihre Fotos weiterhin auch in andere soziale Netzwerke versenden. Zudem solle kein Instagram-Nutzer gezwungen werden, zu Facebook zu wechseln.

Nach Börsengang kann Facebook zuschlagen

«Der Fakt, dass Instagram über Facebook hinaus mit anderen Diensten verbunden ist, ist ein wichtiger Teil der Erfahrung», schrieb Zuckerberg weiter. Den Zukauf bestreitet Facebook mit Bargeld und Aktien. Für Mai oder Juni wird der Börsengang von Facebook erwartet, sein Börsenwert auf rund 100 Milliarden Dollar geschätzt.

«Nach dem Börsengang wird Facebook in der Position sein, auf Jagd zu gehen. Sie können dafür sorgen, dass sich niemand in ihren Weg stellt und jeden kaufen, der ihnen Probleme bereitet», sagte der Analyst des Finanzdienstleisters Wedbush, Michael Pachter. Mit dem Kauf von Instagram habe Facebook nicht nur einen potenziellen Konkurrenten aus dem Weg geräumt, sondern sich auch eine Technologie «mit wahnsinniger Zugkraft» verschafft.

Überfälliger Schritt?

Bei einem Kaufpreis von einer Milliarde Dollar bezahlt Facebook etwa 33 Dollar für jeden Nutzer von Instagram. Das ist nur ein Bruchteil dessen, was Investoren für jeden Facebook-Nutzer zahlen würden: Sollte das soziale Netzwerk beim Börsengang tatsächlich mit 100 Milliarden Dollar bewertet werden, wären das nämlich 118 Dollar für jeden Facebook-Nutzer. Angesichts dieser Rechnung erscheine die Milliarde für Instagram «gar nicht mehr so verrückt», sagte Pachter.

Für Gartner Analyst Brian Blau war der Schritt sogar überfällig. Facebook konkurriere mit den Googles, Apples und Microsofts dieser Welt. «Sie müssen eine starke Marke und eine starke Verbraucherplattform aufbauen», sagte Blau. «Ein separates soziales Netzwerk zu haben, das ist etwas, was sie schon vor langer Zeit hätten tun müssen.» (sda)

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