Datenskandal: Facebook krebst zurück
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DatenskandalFacebook krebst zurück

Der Druck der Facebook-Gemeinde hat gewirkt: Ab sofort gelten wieder die alten Facebook-Nutzungsbedingungen. Daten gelöschter User-Accounts sind für die Social-Community somit wieder tabu.

«Wir werden Daten in keiner Form weitergeben, die Ihr nicht wollt», versichert Facebook-Gründer Mark Zuckerberg heute Morgen in seinem Blog. Die 175 Millionen Mitglieder zählende Online-Community teilt mit, dass ab sofort wieder die alten Nutzungsbedingungen gelten: «Wir haben unsere Nutzungsbedingungen auf den alten Stand zurückgesetzt, was die meisten Menschen von uns verlangt haben und was uns auch unabhängige Experten empfohlen haben.»

Offenbar krebst der Facebook-Gründer zurück, nachdem es massenhaft Proteste gehagelt hatte. Alleine die aus der Schweiz gegründete Facebook-Gruppe «Meine Daten gehören mir» ist innerhalb von 24 Stunden auf über 20 000 Mitglieder angewachsen. Noch am Montag verteidigte Zuckerberg seinen Entscheid, die Rechte an Daten gelöschter Accounts beanspruchen zu können. Das Argument, dass die Überlassung der Rechte an Facebook erforderlich sei, scheint sich jedoch über Nacht in Luft aufgelöst zu haben.

User sollen künftig miteinbezogen werden

In Zukunft soll die Meinung der User eingeholt werden, bevor an den allgemeinen Geschäftsbedingungen Änderungen vorgenommen werden, verspricht Zuckerberg. In der eigens von Facebook gegründeten Gruppe «Facebook Bill of Rights and Responsibilities» sollen die User über die Neugestaltung der Nutzungsbedingungen mitdiskutieren können.

Aufschrei der Community

Ohne die Mitglieder zu informieren, haben die Betreiber der Online-Community Facebook am 4. Februar stillschweigend die AGBs angepasst. Und die Änderungen haben es in sich: In den letzten vierzehn Tagen war es Facebook gestattet, sämtliche veröffentlichten Informationen auch nach der Löschung eines Profils zu verwenden. Ob Adressen, Fotos, Videos oder Texte, was Sie auch immer auf Ihr Facebook-Profil hochgeladen haben, den Betreibern gehörten sämtliche Rechte an den Daten und sie konnten auch dann noch darüber frei verfügen, wenn Sie sich schon lange von der Social-Community verabschiedet hatten.

So sicherte sich Facebook «eine unwiderrufliche, unbefristete, nicht-exklusive, übertragbare, vollständig bezahlte, weltweit gültige Lizenz», die es Facebook gestattet, die geposteten Daten zu «benutzen, kopieren, veröffentlichen, streamen, speichern, zurückbehalten, öffentlich aufführen oder darstellen, übertragen, scannen, formatieren, verändern, bearbeiten, übersetzen, auszugsweise veröffentlichen, anpassen, in derivativen Produkten verarbeiten und über verschiedene Wege zu verteilen».

Ausverkauf der Daten?

Und der verfügbare Datenkuchen ist immens. Laut den neusten Zahlen sind bei Facebook mittlerweile 175 Millionen Profile aufgeschaltet. Darüber, wie Facebook künftig Geld verdienen will, wird immer wieder spekuliert. Die britische Zeitung «Telegraph» vermeldete vor zwei Wochen, dass die gehorteten Daten gegen eine Gebühr an interessierte Unternehmen verkauft werden sollen. Eine weitere Möglichkeit wäre die Einführung eines Zweiklassensystems. Die User hätten die Wahl zwischen einem eingeschränkten Gratis-Account und einem kostenpflichtigen Premium-Account, mit welchem das gesamte Angebot zugänglich wäre. Facebook hat in der Vergangenheit sämtliche Spekulationen stets zurückgewiesen

(mbu/am)

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