Aktualisiert 31.07.2014 09:15

Neue Geschäftsidee

Facebook-Mitgründer will Mails abschaffen

Mark Zuckerbergs Ex-Weggefährte Dustin Moskovitz will die E-Mails aus dem Büroalltag verbannen. An ihre Stelle soll eine Projektmanagement-Software treten, die er entwickelt hat.

von
Michael Liedtke, AP
Die beiden Asana-Gründer Dustin Moskovitz (links) und Justin Rosenstein wollen den E-Mail-freien Austausch unter Arbeitskollegen fördern.

Die beiden Asana-Gründer Dustin Moskovitz (links) und Justin Rosenstein wollen den E-Mail-freien Austausch unter Arbeitskollegen fördern.

Der durchschnittliche Nutzer eines geschäftlichen E-Mail-Zuganges erhält oder verschickt täglich 121 Nachrichten. 2011 waren es noch 105 pro Tag, wie das Technologie-Marktforschungsunternehmen Radicati Group für die USA herausgefunden hat. Die Mails zu verwalten - lesen, löschen, beantworten, sortieren - kostet Arbeitszeit. Dustin Moskovitz, einst Zimmergenosse von Mark Zuckerberg und Facebook-Mitgründer, will etwas dagegen tun.

Zusammen mit Justin Rosenstein, früher Produktmanager bei Google und später bei Facebook, hat er das Start-up Asana gegründet, das eine Projektmanagement-Software vermarktet, die ohne E-Mails auskommt.

Der Nachteil von E-Mails im beruflichen Alltag, erklärt der 30-Jährige, sei, dass sie nicht öffentlich seien und nicht jeder auf sie Zugriff habe. Dabei gehe es oft um Absprachen, die für eine bestimmte Gruppe oder ein Team gleich wichtig seien. Hier setzt seine Software an: Statt dem Austausch per E-Mail bietet sie eine Plattform, die Funktionen eines sozialen Netzwerkes hat, allgemeinen Zugriff auf einen Online-Kalender und eine Messaging-App. «Wir versuchen, mit der Software die nervtötende Arbeit, die E-Mails mit sich bringen, zu ersetzen», sagt Rosenstein.

Acht Prozent mehr Arbeitszeit

Die Verwaltung von E-Mails wirke sich negativ auf die Produktivität eines Beschäftigten aus: Fänden Unternehmen andere Formen der Kommunikation, die wie soziale Netzwerke funktionierten, könnten Beschäftigte acht Prozent mehr von ihrer Arbeitszeit anderen Tätigkeiten widmen, hat die Unternehmensberatung McKinsey ausgerechnet. Eine ganze Reihe von Projektmanagement-Software-Produkten setzt hier an. Inwieweit sich Moskovitz und Rosenstein mit Asana durchsetzen können, wird sich zeigen.

Die einfache Version, die für ein Team aus bis zu 15 Mitgliedern kostenlos zur Verfügung steht, ermöglicht den angesprochenen Mitarbeitern einen direkten Zugang zu allen notwendigen Informationen. Dabei legt das jeweilige Unternehmen fest, welche Informationen freigegeben werden und welche nicht. Kostenpflichtig bietet Asana daneben Programme mit weiteren Funktionen und für grössere Teams an.

Experten sind skeptisch

Weder Rosenstein noch Moskovitz sind darauf angewiesen, dass Asana ein kommerzieller Erfolg wird. Beide haben aus ihrer Zeit bei Facebook ein Vermögen zurückbehalten. Moskovitz besitzt nach wie vor Anteile an dem sozialen Netzwerk, deren Wert bei sieben Milliarden Dollar liegen dürfte. Dies dürfte ihn darüber hinwegtrösten, dass sein Ziel, E-Mails im beruflichen Alltag überflüssig zu machen, von Experten mit Skepsis gesehen wird.

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