Aktualisiert 26.06.2013 10:28

Aussage vor GerichtFacebook-Pädo: «Wollte Oralsex mit den Buben»

44 Knaben hat Roland M. im Berner Oberland via Facebook erpresst und teilsweise sexuell missbraucht. Vor Gericht spricht er offen über seine perfiden Taten.

von
Adrian Müller
44 Buben lockte der Oberländer Sex-Grüsel in die Facebook-Falle.

44 Buben lockte der Oberländer Sex-Grüsel in die Facebook-Falle.

Mit leiser, beschämter Stimme spricht der Berner Oberländer Facebook-Pädo Roland M.* seit heute morgen vor dem Regionalgericht Thun-Oberland. Der Mann mit Hakennase und Glatze macht nicht gerade den intelligentesten Eindruck. Umso erstaunlicher, mit welch perfider Masche der zweifache Familienvater insgesamt 44 15-17 jährige Buben via Facebook und MSN erpresste und teils zu Oralsex zwang.

«Es klappte mit meiner Frau im Bett nicht mehr, ich konnte nicht mehr in sie eindringen. Darum fühlte ich mich als Versager und wählte den Weg mit den Buben»: So beschrieb der vorbestrafte Sexualstraftäter Roland M. den Auslöser für seine Taten, nachdem er zuvor drei Jahre lang die Finger von Knaben hatte lassen können. Er schottete sich darauf immer mehr in seinem Heimbüro ab und zog sich stundenlang Pornos «mit immer jüngeren Darstellern» rein.

Und eröffnete dann das Facebook-Fakeprofil der hübschen «Anita Bösiger», mit deren Reizen er 44 Buben aus dem Berner Oberland in die Sex-Falle lockte.

«Blas meinem Onkel eins»

«Anita» schickte den Buben Nacktbilder und Sexfilmchen von sich, verlangte dafür aber perverse Gegenleistungen: Einem Knaben gab «sie» etwa Anweisungen, sich vor laufender Webcam selbst zu befriedigen und den Schalldämpfer einer Waffe in den After zu schieben. Diese Bilder und Videos speicherte der teilweise geständige Täter sorgfältig ab. Dann versprach «Anita» den meist sexuell unerfahrenen Knaben, sie könnten mit ihr Sex haben – aber nur, wenn sie zuerst ihren Onkel oral befriedigten, bei dem es sich um Roland M. handelte. «Blas meinem Onkel eins, dann kannst du mit mir schlafen», schrieb M. einem Opfer.

Um sie gefügiger zu machen, erpresste «Anita» die Buben und schickte Fotos ihrer sexuellen Handlungen an deren Kollegen. «Sicher no cool, wenn d Fotis bim Coop und Bahnhof ono hange», drohte «Anita» und erhöhte so den Druck weiter. Schliesslich traf der «Onkel» die Opfer persönlich und nötigte sie zu Oralverkehr. Bei einem Buben kam es so zu 14 Übergriffen - teils in der Wohnung von dessen Eltern.

Nach zwei Jahren aufgeflogen

«Mein Ziel war, mit den Buben gegenseitigen Oralsex zu haben», gab der Vater zweier 11- und 14-jähriger Knaben denn vor Gericht auch unumwunden zu. «Ich wollte wieder zum oralen Vergnügen kommen».

Nach zwei Jahren flog das perverse Treiben des Sex-Täters endlich auf. «Einer der Knaben hatte erkannt, dass ‹Anita› nur männliche Freunde hat», schildert M. vor Gericht. Die Polizei holte den Pädo im August in der Nacht aus dem Bett. «Ich habe mich so geschämt, dass ich fünf Wochen lang nicht mehr in den Spiegel schauen konnte. Ich hatte auch Selbstmordgedanken», schildert M. die ersten Tage nach der Festnahme. Seither sitzt er in der Strafanstalt Thorberg in einer geschlossenen Abteilung. «Meine Frau hat mir noch eine Chance gegeben. Sie kommt mich alle zwei Wochen mit meinen Söhnen besuchen.»

Mehrere Opfer sind heute nicht vor Gericht erschienen, ihnen wurde der psychische Druck offenbar zu gross.

*Name der Redaktion bekannt

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