«Social Beer Game»: Facebook-Saufspiel schwappt in die Schweiz
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«Social Beer Game»Facebook-Saufspiel schwappt in die Schweiz

Möglichst kreativ zu saufen und seine Freunde dazu zu animieren, mitzuziehen: Das Spiel findet auch in der Schweiz Einzug. Harmlos? In Irland forderte es bereits zwei Tote.

von
num

Die Regeln sind simpel: Ein Teilnehmer trinkt eine Flasche Bier auf Ex und filmt sich dabei. Danach stellt er das Video auf Facebook und nominiert drei seiner Freunde, es ihm gleichzutun.

Veröffentlichen diese Nominierten innert 24 Stunden kein entsprechendes Video mit weiteren Nominationen, setzt es happige Strafen. Zum Beispiel einen Kasten Bier an den, der einen nominiert hat. Mit den Hashtags «Socialbeergame» oder «Biernominierung» verbreitete es sich rasend schnell im Netz.

In Deutschland ist das simple Online-Trinkspiel schon in vollem Gang, ebenso in Österreich. So war es nur eine Frage der Zeit, bis es auch hierzulande entdeckt wurde. Und es ist soweit: Die ersten Videos und Nominierungen sind auf Schweizer Timelines aufgetaucht.

Eine Userin schreibt: «Meine Timeline ist total zugemüllt mit dem Quatsch. Ich finds nicht witzig.» Andere stürzen sich hemmungslos auf den neuen Trend. «Muss in den nächsten 24 Stunden ein Bier exen, sonst muss ich eine Kiste zahlen!»

Gefährlicher Gruppendruck

Das Spiel findet vor allem bei jüngeren Facebook-Usern Anklang. Gefährlich, findet Hansueli Seiler, Projektleiter beim Blauen Kreuz: «Wir haben von diesem Phänomen schon gehört. Wir finden es problematisch: Es ist einmal mehr ein Ausdruck des Exzessiven, der vor allem Jugendliche anspricht und dort grassiert.» Als Jugendlicher wolle man ausbrechen. «Gefährlich bei diesem Spiel ist der Gruppendruck», sagt Hansueli Seiler. Als Nominierter denke man sich: «Ich kann mich dem doch nicht verweigern.»

Daniel Süss,Professor für Medienpsychologie, glaubt nicht an eine weite Verbreitung in der Schweiz: «Dieses Social Beer Game gehört wie andere Online-Phänomene zur risikoorientierten Jugendkultur und könnte wie ein Strohfeuer rasch verpuffen.» Solche «Spiele» würden nur so lange funktionieren, wie sie Überraschung auslösen . «Danach nutzen sie sich schnell ab», sagt Süss.

Bereits Tote

Die Facebook-Seite «Biernomination» sammelt die Videos der Teilnehmenden, distanziert sich aber vorsichtshalber von den Auswüchsen, die das Spiel unvermeidlich mit sich bringt. «Die Seite ist erst AB 17 Jahren sichtbar und jeder trinkt FREIWILLIG! Ausserdem handelt es sich nur darum EIN BIER zu trinken», schreiben die Macher der Seite.

In englischsprachigen Ländern wie Australien oder Irland ist das Spiel bereits als «Neknominate» bekannt - abgeleitet von « nek and nominate», also «ex-trinken und nominiere». Dort allerdings kam es zu tragischen Vorfällen im Zusammenhang mit dem Spiel.

In Irland ist ein 22-jähriger Mann gestorben, der statt Bier starke Spirituosen getrunken hatte. Der DJ wurde tot in seiner Wohnung in Dublin gefunden. Und der 19-jährige Johnny Byrne ertrank in Irland, als er ein «Neknominate»-Video besonders spektakulär inszenieren wollte und nach dem Leeren der Flasche in den Fluss sprang. Seine filmenden Freunde konnten den Ertrinkenden nicht mehr retten.

Trinken für einen guten Zweck

Das Spiel hat bereits viele genervte Nominierte dazu animiert, eine Gegenbewegung zu starten. Wer nominiert wird, trinkt zwar – oder auch nicht – spendet aber in jedem Fall einen freiwillig gewählten Betrag an einen karitative Organisation.

Die Nomination einfach auszuschlagen, fällt vielen Jugendlichen dennoch schwer. Hansueli Seiler vom Blauen Kreuz sagt: «Das Umfeld, in dem man sich bewegt, kann den Druck extrem erhöhen.»

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