10.09.2020 19:18

Seltsamer AufrufFacebook verspricht Usern Geld,
wenn sie ihren Account deaktivieren

Im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen in den USA bittet Facebook einige User, die Nutzung der Plattformen Instagram und Facebook zu pausieren. Was paradox klingt, ist aber von langer Hand geplant – und soll kompensiert werden.

von
Dominique Zeier
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Einige Facebook- und Instagram-Nutzer haben in den vergangenen Tagen einen seltsamen Aufruf erhalten. 

Einige Facebook- und Instagram-Nutzer haben in den vergangenen Tagen einen seltsamen Aufruf erhalten.

Foto: Keystone
Darin wurden sie gefragt, wie viel man ihnen bezahlen müsste, damit sie auf die Nutzung ihres Accounts verzichten. 

Darin wurden sie gefragt, wie viel man ihnen bezahlen müsste, damit sie auf die Nutzung ihres Accounts verzichten.

Twitter
Es handelt sich dabei um einen Teil einer grösser angelegten Studie. 

Es handelt sich dabei um einen Teil einer grösser angelegten Studie.

Darum gehts

  • Facebook hat einigen Nutzern Geld dafür versprochen, wenn sie die Nutzung ihres Accounts pausieren.
  • Das hat im Internet für Verwirrung gesorgt.
  • Die Mediensprecherin von Facebook erklärt, was dahintersteckt.
  • User sollen tatsächlich für das Deaktivieren ihrer Profile bezahlt werden.

Es klingt paradox: Facebook hat angekündigt, seinen Nutzern eine Geldsumme auszubezahlen, falls sie ihren Account noch vor Ende September und vor allem im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen in den USA deaktivieren. Was wie ein schlechter Scherz oder eine Betrugsmasche klingt, stammt aber tatsächlich von Facebook selbst.

So haben einige Nutzer in den letzten Tagen auf Facebook oder Instagram den Aufruf erhalten, bei diesem Verzicht mitzumachen. Darin heisst es: «Wir wüssten gerne, wie viel man dir bezahlen müsste, damit du deinen Account bis Ende September für entweder eine Woche oder sechs Wochen deaktivierst.» Zur Auswahl stehen 10 Dollar pro Woche, 15 Dollar pro Woche oder 20 Dollar pro Woche.

Facebook steckt tatsächlich dahinter

Als die ersten Screenshots des Aufrufs im Internet auftauchten, herrschte zuerst einmal Verwirrung. Diese klärte die Mediensprecherin von Facebook, Liz Bourgeois, aber gleich selbst auf. In einem Tweet bestätigt sie, dass tatsächlich jede Person, die dem Aufruf folgt, eine Kompensation erhalte. Ausserdem erklärte sie auch, was hinter dem Ganzen steckt.

Tatsächlich handelt es sich um ein ein wissenschaftliches Experiment, das Facebook zusammen mit internen und externen Forschenden auf die Beine gestellt hat. Dieses steht in Zusammenhang mit einer grösseren Forschungsinitiative, die der Konzern diesen August lanciert hat. Dabei geht es vor allem um die Frage, welche Rolle Social-Media-Seiten wie Facebook und Instagram im Vorfeld einer Präsidentschaftswahl spielen.

«Facebook ist zu einer Bühne geworden, auf welcher die demokratische Debatte zwischen Bürgern und Kandidaten geführt wird. Ein Grossteil davon ist positiv, oft aber auch laut und sehr intensiv. Das ist nun zweifellos ein grosser Teil unserer offenen Demokratie», heisst es auf der Webseite, die das Forschungsprojekt vorstellt.

Grosse Verantwortung

Man sei sich bewusst, dass dies bedeute, dass Facebook und andere Social-Media-Unternehmen eine grosse Verantwortung tragen, so das Schreiben weiter. «Facebook arbeitet ständig an der Art und Weise, wie wir demokratische Partizipation fördern. Um dies aber weiterhin möglich zu machen, müssen wir besser verstehen, ob uns Social Media zu einer polarisierteren Gesellschaft macht oder vor allem jene Unterschiede hervorhebt, die bereits in der Gesellschaft existieren. Wir müssen verstehen, ob die sozialen Medien die Menschen zu besser oder schlechter informierten Personen machen. Und zuletzt müssen wir herausfinden, wie die sozialen Medien die Einstellungen gegenüber der Regierung und der Demokratie beeinflussen.»

Zu diesem Zweck werde eine Vielzahl an verschiedenen Forschungsmethoden und Untersuchungsdesigns eingesetzt. Dazu gehören beispielsweise Befragungen von Nutzern, die Analyse von Verhaltensmustern auf Facebook und Instagram sowie das aktive Steuern von politischer Werbung oder Posts, welche die Nutzer sehen. In dieser Beschreibung heisst es auch, dass eine gewisse Anzahl User gebeten werden könnten, für eine gewisse Zeit lang auf die Nutzung ihres Facebook- oder Instagram-Profils zu verzichten.

Signifikante Ressourcen investiert

Von alledem sind aber ausschliesslich Nutzer betroffen, die explizit zugestimmt haben, an dieser Studie teilzunehmen. Laut Facebook wird davon ausgegangen, dass es sich hierbei um rund 200’000 bis 400’000 User handeln wird, welche die Demografie in den USA repräsentativ abbilden sollen. Man investiere signifikante Ressourcen in diese Studien.

Es ist nicht die einzige Massnahme, die Facebook im Vorfeld der Präsidentschaftswahl am 4. November eingeführt hat. CEO Mark Zuckerberg hat erst vor Kurzem angekündigt, dass in der Woche vor der Wahl keine neue politische Werbung auf seine Plattformen aufgeschaltet werden würde, da ab dann nicht mehr genügend Zeit bleibe, gegen Fehlinformationen und missverständliche Statements vorzugehen.

Digital-Push

Wenn du den Digital-Push abonnierst, bist du über News und Gerüchte aus der Welt von Whatsapp, Snapchat, Instagram, Samsung, Apple und Co. informiert. Auch erhältst du Warnungen vor Viren, Trojanern, Phishing-Attacken und Ransomware als Erster. Weiter gibt es Tricks, um mehr aus deinen digitalen Geräten herauszuholen.

So gehts: Installiere die neuste Version der 20-Minuten-App. Tippe unten rechts auf «Cockpit», dann «Einstellungen» und schliesslich auf «Push-Mitteilungen». Beim Punkt «Themen» tippst du «Digital» an – et voilà!

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19 Kommentare
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Chris

11.09.2020, 10:55

Facebook? Das gibt's noch?

Pirat

11.09.2020, 10:43

In ein paar Jahren wird es wohl so sein, dass viele Socialmedia User nicht mehr selbsttätig atmen oder alleine aufs Klo können. Das Denken wird dann von FB etc übernommen sein

Eleonore

11.09.2020, 10:40

Am Bedenklichsteb ist doch, dass Facebook und Co gezielt versuchen ihren Mitgliedern Infos und Werbung zukommen zu lassen die passen. So wird es immer schwieriger sich frei zu orientieren und die eigene, nicht immer fehlerfreie Realität wird weiter gefestigt. Es engt das Blickfeld ein und man bewegt sich nur noch zwischen Leitplanken. Lese ich beispielsweise nur noch die WoZ oder die Weltwoche, dann gehen in beiden Fällen Infos an mir vorbei und ich werde längerfristig Betriebsblind.