Leser-Kommentare: Facebook war schon ein Bedürfnis, bevor es da war
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Leser-KommentareFacebook war schon ein Bedürfnis, bevor es da war

2001 veröffentlichte die BBC einen Artikel über das erste Handy mit Kamera. Die Leser prophezeiten schon damals Social-Media-Apps wie Tinder und Instagram.

von
lia

Vor knapp 15 Jahren schrieb Jon Wurtzel, seinerzeit Digital-Redaktor auf dem Online-Portal der BBC, einen Artikel über ein abgefahrenes neues Mobiltelefon von Sharp: Weil die Japaner damals ganz verrückt nach Fotokästen waren, in denen sie bunte Bildchen mit ihren Freunden schiessen konnten, integrierte der Elektronikkonzern erstmals eine Minikamera ins Handy.

Das Sharp J-SH04 kam mit einer 110'000-Pixel-Kamera auf der Rückseite – zum Vergleich: das Sony Xperia z5 hat heute 25 Megapixel, das entspricht 25 Millionen Pixel. Neben der Linse war ein kleiner Spiegel angebracht, um bei Selbstporträts den richtigen Winkel zu treffen. Die Selfies waren geboren!

Autor macht sich lustig

Wurtzel machte sich im Bericht über die «winzig kleine Kamera für raffinierte Fotos von dir und deinen Freunden» lustig. Doch seine Leser, die man damals noch Online-User nannte, hätten schon damals durchaus Verwendung für das knapp 500 Dollar teure Wundergerät gehabt.

In den Kommentaren machten sie Vorschläge, die heute definitiv als Prophezeiungen durchgehen. Eine Leserin, Lizz, hatte gerade mehrere zündende Ideen: Einerseits konnte sie sich vorstellen, dass Teenager statt in Gruppen zum Shoppen zu gehen, Fotos von Outfits an ihre Freunde schicken. Auf diese Weise könnten Preise verglichen und eine Bewertung eingeholt werden.

Snapchat, Tinder, Instagram und Skype

Ausserdem könnte man umgehend einen Foto-Beweis liefern, falls man seinem Idol über den Weg läuft. Willkommen bei Snapchat, Facebook, Instagram und Whatsapp, liebe Lizz! Doch die Gute ging noch weiter und sagte eine Art Tinder voraus: «Verkupple deine Freunde, indem du Fotos an potentielle Partner schickst.» Allerdings dachte Lizz, solche Funktionen wären nur etwas für die Ü-20-Generationen. Falsch gedacht.

Foto-Plattformen wie Instagram wären auch bei anderen Lesern gut angekommen. John hätte schon damals gerne Fotos von Hunden geschossen, genau wie Miles. Und Robbie hätte Bilder mit Menschen ausgetauscht, die die gleichen Hobbys haben wie er. Steven hingegen hätte sich via Kamera mit Freunden unterhalten, die im Ausland leben. Skype ahoi! Das einzige Social-Media-Phänomen, das anscheinend niemand kommen sah, waren die heute allgegenwärtigen Katzenvideos.

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