Aktualisiert 30.09.2014 20:22

Individuelle WerbungFacebook will mit unseren Daten noch mehr verdienen

Facebook nutzt seine Nutzerdaten für das Platzieren von personalisierter Werbung. Bisher wurde diese Werbung nur auf Facebook angezeigt. Jetzt gibt es die Werbung im ganzen Web.

von
F. Lindegger

Am Montag hat Facebook die neugestaltete Werbeplattform Atlas lanciert. Die Plattform nutzt die enormen Mengen an Daten, die Facebook über seine Nutzer sammelt, um personalisierte Werbung zu platzieren. Facebook macht dies bereits heute, allerdings nur auf der Seite von Facebook. Mit Atlas wird dies nun im ganzen Web und auch in Apps möglich sein. Eine von bisher zwei grossen Firmen, die den neuen Dienst nutzen ist der Getränkehersteller Pepsi. Will Pepsi ein neues Getränk gezielt an 20- bis 25-jährige Männer, die studieren und in einer bestimmten Region leben, vermarkten, können mit Atlas die passenden Facebook-Nutzer identifiziert werden. Diese sehen anschliessend die Werbung für das neue Getränk auf verschiedenen Websites und in werbefinanzierten Apps.

Facebook verfügt laut Schätzungen in der Schweiz über rund drei Millionen aktive Nutzer. Weltweit sind es über 1,2 Milliarden, die den Dienst nutzen. Facebook kennt von einem grossen Teil seiner Mitglieder Mailadressen, Geschlecht, Alter oder persönliche Interessen. Wer die App auf seinem Android Smartphone installiert, gibt zusätzlich noch viel mehr Informationen preis und erteilt dem Netzwerk zum Beispiel die Erlaubnis seine SMS lesen. All diese Informationen werden zusätzlich mit Daten zum Surfverhalten ergänzt: Ruft man eine Website auf, die einen Facebook-Like-Button enthält, sendet dieser Informationen über den Besucher an Facebook. Auch wenn man nicht auf den Button klickt oder Mitglied von Facebook ist.

Die App liest mit

Hat man die App auf dem Smartphone installiert und ist angemeldet, hat Facebook die Möglichkeit festzustellen, welche anderen Apps die Person gerade nutzt und könnte anschliessend auch Werbung in diesen Apps schalten. All die persönlichen Informationen, die man bei Facebook hinterlegt, werden anschliessend mit dem Verhalten im Internet verknüpft. Facebook ist deshalb in der Lage, äusserst detaillierte Profile seiner Nutzer zu erstellen. Mit Atlas hofft man nun, diese Profile für noch mehr Profit nutzen zu können.

Bedenken bezüglich dem Schutz der Privatsphäre muss man als Nutzer laut Facebook keine haben: Die Daten, die mit den Werbekunden geteilt werden, seien anonymisiert und liessen keine Rückschlüsse auf die tatsächlichen Identitäten der Nutzer zu. Überprüfen lassen sich die Beteuerungen des grössten sozialen Netzwerks allerdings kaum. Und als Nutzer von Facebook gibt es nur beschränkte Möglichkeiten, gegen die Datensammelwut des sozialen Netzwerks vorzugehen. Mit Browser-Add-ons wie beispielsweise Sharemenot kann man etwa verhindern, dass das Surfverhalten über den Like-Button an Facebook übermittelt wird. Die effektivste Massnahme bleibt aber auf Facebook ganz zu verzichten.

Branchenprimus Google

Doch nicht nur Facebook sammelt Daten bezüglich dem Nutzverhalten von Internetnutzern. Ein grosser Teil der Werbung, die wir heute beim Surfen im Internet sehen, ist bereits personalisiert und auf unser Verhalten angepasst. Websites verwenden dafür sogenannte Cookies oder Pixel Tags, die Informationen über das verwendete Betriebssystem, Uhrzeit oder Browser aufzeichnen. Und das Geschäft damit wird immer lukrativer: Der Markt mit Onlinewerbung wird für dieses Jahr von Emarketer weltweit auf rund 140 Milliarden Dollar geschätzt. Noch ist Google der klare Marktführer in diesem Bereich und streicht rund 30 Prozent Ausgaben für Onlinewerbung ein. Doch Facebook will dem Suchmaschinengiganten mit der neuen Werbeplattform diese Position streitig machen.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.