Aktualisiert 20.05.2011 18:53

Überwacht im Netz

Facebooks «Spy»-Button

Facebook, Google und Twitter wissen, welche Websites ihre Nutzer besuchen. Im Hintergrund können sie Daten von besuchten Seiten sammeln - möglich macht dies der «Empfehlen»-Button

von
owi
Facebook und andere soziale Netzwerke versichern, dass sie die User nicht mittels «Like»-Button ausspionieren.

Facebook und andere soziale Netzwerke versichern, dass sie die User nicht mittels «Like»-Button ausspionieren.

Facebooks «I like»- oder «Empfehlen»-Button ist auf Millionen von Websites platziert. Mit einem Klick lassen sich interessante Artikel, Fotos oder Videos mit den Facebook-Freunden teilen. Bei jedem Aufruf einer Seite mit einem «Empfehlen-Button» wird allerdings Facebook über den Besuch der entsprechenden Website informiert, schreibt das «Wall Street Journal».

Eine von der Zeitung in Auftrag gegebene Studie kommt zum Schluss, dass das soziale Netzwerk genau mitverfolgen könne, welche Internet-Seiten seine Mitglieder besuchen. Das Prinzip ist einfach: Wird eine Website mit «Empfehlen»-Button im Webbrowser aufgerufen, weiss Facebook, was man sich gerade anschaut – ohne dass der User auf den Button klicken muss.

Damit die Spionage möglich wird, muss sich eine Person lediglich ein Mal innerhalb des letzten Monats bei Facebook angemeldet haben. Das soziale Netzwerk kann das Surfverhalten weiterhin aufzeichnen, sogar wenn die Person den Webbrowser zwischenzeitlich schliesst oder den Computer herunterfährt. Nur das explizite Abmelden aus dem Facebook-Konto stoppe die Überwachung, schreibt das «Wall Street Journal» weiter. Facebook könnte so zum Beispiel in Erfahrung bringen, ob sich eine Person auf einer Website über Depressionen oder andere Krankheiten informiert. Private Informationen also, welche die meisten User wohl kaum in ihrem Profil preisgeben würden. Da die sozialen Netzwerke oft den richtigen Namen eines Users kennen, könnten sie das Surfverhalten direkt einer Person zuordnen.

Auch Google und Twitter betroffen

Empfehlen-Buttons gibt es auch von anderen Netz-Unternehmen wie Google oder Twitter – und sie sind weit verbreitet, wie die Untersuchung im Auftrag des «Wall Street Journals» ans Licht bringt. «Facebook-Buttons tauchen gemäss der Studie auf jeder Dritten der weltweit 1000 meistbesuchten Websites auf. Buttons von Twitter und Google erscheinen auf 20 beziehungsweise 25 Prozent dieser Seiten.» Solche Empfehlen-Buttons – auch Widgets genannt – sollen das einfache Teilen von interessanten Web-Inhalten ermöglichen. Gleichzeitig helfen sie den Websites, mehr Besucher auf ihre Seiten zu locken.

Unternehmen bestreiten Spionage

Für Unternehmen wie Facebook, Google oder Twitter sind die Buttons ein wichtiges Werbeinstrument. Die drei Unternehmen sagten gegenüber der US-Zeitung, sie würden die Empfehlen-Buttons nicht dazu verwenden, das Surfverhalten der Profile zu überwachen. Die übertragenen Daten würden anonymisiert, so dass die Informationen nicht bestimmten Nutzern zugeordnet werden könnten. Facebook sagt, die gesammelten Daten würden innert 90 Tagen gelöscht. Google löscht die Daten innerhalb von zwei Wochen.

Ein im «Wall Street Journal» zitierter Datenschützer äusserst trotzdem bedenken, zumal sich Facebook und Google in der Vergangenheit wenig sensibel bezüglich Datenschutz gezeigt hätten: «Unsere Lesegewohnheiten im Internet geben Aufschluss über alles, worüber wir nachdenken, politische und religiöse Ansichten sowie gesundheitliche oder finanzielle Probleme.» Facebook und Co. sagen indes, das Sammeln von Daten der Internetnutzer sei «ein ungewollter Nebeneffekt» der Art und Weise, wie die Empfehlen-Werkzeuge arbeiten würden.

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