Libra: Facebooks Weltwährung ist praktisch tot
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LibraFacebooks Weltwährung ist praktisch tot

Der Widerstand gegen die Weltwährung von Facebook ist gross – die Zweifel, ob Libra es jemals auf den Markt schafft, steigen.

von
Raphael Knecht

So will Facebook mit seiner eigenen Währung unser Leben verändern. (Video: RKN)

Bereits in der ersten Hälfte des kommenden Jahres soll Facebooks Kryptowährung Libra auf den Markt kommen (siehe Box). Vergangene Woche trafen sich Abgeordnete des US-Repräsentatenhauses mit Vertretern der Schweizer Finanzbehörden – denn die Digitalwährung soll von der in Genf ansässigen Libra Association verwaltet werden. Das Ergebnis der Gespräche ist noch unbekannt.

Doch Experten zweifeln zunehmend daran, ob es mit der Devise des amerikanischen Techkonzerns überhaupt noch klappen wird: «In der Form, wie Facebook die Währung angekündigt hat, wird sie wohl gar nicht erscheinen», vermutet etwa Christoph Kley, Finanzexperte an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Das sind die Gründe für die Zweifel:

Regulatorischer Widerstand

Insbesondere in den USA hat Facebook mit wesentlich mehr Widerstand zu kämpfen, als die Firma erwartet hatte, wie Kley sagt. Die Regierung und die Notenbank (Fed) seien nicht von der Idee einer Weltwährung aus dem Hause Facebook begeistert: «Die Fed will den Dollar als wirtschaftspolitisches Instrument erhalten – eine globale Konkurrenzdevise könnte dieses Ziel gefährden.»

Druck auf Partner

Bei der Lancierung vor zwei Monaten konnte Facebook eine ganze Liste von Partnern vorweisen, die bei Libra dabei sind. Viele davon – etwa Mastercard, Uber und Paypal – haben auf Anfragen von «Business Insider» jedoch nicht bestätigen wollen, dass sie das Projekt immer noch unterstützen. Laut Kley ist denkbar, dass die US-Politik schon jetzt Druck auf die Partner macht, sich von der Idee einer Weltwährung zu distanzieren.

Vorsichtige Finma

Die Schweizer Finanzmarktaufsicht (Finma) hat bei den regulatorischen Rahmenbedingungen für Libra mitzureden. Dabei dürfte man sich nach den Wünschen der US-Politik richten, so Kley. Weil die Amerikaner signalisieren, dass sie Libra nicht gut finden, werde die Finma besonders vorsichtig sein. In der aktuellen Form hat Libra darum keine Chance: «Facebook wird noch einmal über die Bücher gehen müssen», sagt Kley. Aber selbst eine gestutzte Version des Projekts werde wohl kaum schon Anfang 2020 bereit sein.

Fehlendes Vertrauen

Die Stärke einer Währung ist vom Vertrauen in sie abhängig. Dass ausgerechnet Facebook eine Weltwährung lancieren will, ist darum überraschend: «Die Firma hat ein massives Vertrauensproblem», so Kley. Facebook habe wiederholt gezeigt, dass man den Versprechen des sozialen Netzwerks nicht trauen könne. So hat Facebook etwa bei der Übernahme von Whatsapp versprochen, dass die Daten aus der App nicht in die Werbeprofile des Unternehmens integriert würden. Mittlerweile tut die Firma das aber doch. «Solange Facebook nicht zu seinem Wort stehen kann, wird eine solche Währung wenig Akzeptanz finden», sagt der Experte.

Warnung an Investoren

Selbst Facebook selbst scheint nicht wirklich von Libra überzeugt zu sein – in einem Schreiben an Investoren warnte der Konzern kürzlich: «Es kann nicht garantiert werden, dass Libra fristgerecht oder überhaupt lanciert wird.» Der Grund sei einerseits die Skepsis der Behörden und andererseits, dass dem Unternehmen die Erfahrung mit Digitalwährungen und Blockchain fehle.

Das ist Libra

Mit der Kryptowährung Libra will Facebook in den weltweiten Zahlungsverkehr einsteigen. Die Firma hat Libra als eine Art Weltwährung konzipiert. In Zukunft sollen Milliarden Nutzer auf verschiedenen Facebook-Plattformen wie Whatsapp und Instagram mit der neuen Währung anderen Geld überweisen und auch bezahlen.

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