Fachhochschule nur mit Praktikum
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Fachhochschule nur mit Praktikum

Wer ein Studium an einer Fachhochschule technischer oder wirtschaftlicher Richtung aufnehmen will, muss nach dem Willen des Nationalrates Berufspraxis mitbringen.

Die grosse Kammer verlangt von Gymnasiasten deshalb ein mindestens einjähriges Praktikum vor Studienbeginn und schuf damit eine Differenz zum Ständerat.

Der Erstrat hatte diese Bestimmung gelockert, indem er das Praktikum bis spätestens vor dem Diplomabschluss vorschrieb. Zwei Minderheiten der nationalrätlichen Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK) hielten zwar am Praktikum vor dem Studium fest, wollten aber Ausnahmen explizit zulassen.

Kein Überlaufbecken

Mit 155 zu 18 Stimmen folgte der Nationalrat aber der Mehrheit seiner WBK und dem Bundesrat. Die Fachhochschulausbildung müsse in Bereichen wie Technik, Architektur, Wirtschaft, Life Sciences, Design und Informationstechnologie den Bezug zur Praxis behalten, forderte die WBK in der knapp fünfstündigen Debatte zum Gesetz.

Die Fachhochschulen dürften nicht zum Überlaufbecken der Universitäten werden, verlangte Kommissionssprecherin Pascale Bruderer (SP/AG). Die Minderheitsanträge reduzierten den Wert der Berufspraxis für die Fachhochschulausbildung, doppelte ihre Zürcher Fraktionskollegin Chantal Galladé nach.

Hans Rutschmann (SVP/ZH) sprach von einer Schicksalsfrage. Werde die Zulassungsbestimmung zum Fachhochschulstudium zu Gunsten der Gymnasiasten gelockert, führe dies zu Nachteilen für die Lehrlinge. Die Fachhochschul-Ausbildung werde unter dieser Voraussetzung immer theoretischer.

Johannes Randegger (FDP/BS) erklärte namens der WBK-Minderheit, junge Maturanden nützten als Praktikanten in technischen Berufen nicht viel. «Hat jemand aber schon zwei bis drei Semester studiert, kann ich ihn in den Arbeitsprozess einbinden und ihm Verantwortung übertragen. Er lernt damit mehr.»

Qualitätssicherung im Gesetz

Im Gesetz verankert wird auch die Qualitätssicherung. Die Zulassung von Studiengängen und Schulen obliegt nach dem Willen des Nationalrates zwar dem Eidg. Volkswirtschaftsdepartement. Dieses kann die Prüfung von Akkreditierungsgesuchen Dritten überlassen und diese in begründeten Fällen mit der Akkreditierung beauftragen.

Den Antrag des Bundesrates, bei Vereinbarungen über Zulassungen die Kantonen einzubeziehen, strich der Nationalrat aus dem Gesetz. Liege die Kompetenz allein beim Bund, könne dieser die Angebote der Schulen über die Akkreditierung steuern, erklärte WBK-Sprecherin Bruderer.

(sda)

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