Aktualisiert 21.11.2013 20:37

EinsamFachleute besorgt: Jeder siebte Bergler säuft

Die Berner Oberländer greifen zu oft zur Flasche – ein vom Spital Interlaken lanciertes Projekt soll nun für mehr Nüchternheit sorgen.

von
smü
Jeder Siebte im östlichen Berner Oberland greift zu oft zum Glas.

Jeder Siebte im östlichen Berner Oberland greift zu oft zum Glas.

In Gadmen, Wengen oder Interlaken trinken die Einwohner zu oft Alkohol: Jeder siebte Erwachsene im östlichen Berner Oberland hat ein Suchtproblem. Rund 7000 Leute in der Region kippen zu viel Wein, Bier oder Schnaps hinter die Binde, zusätzliche 3000 sind gar süchtig. Zusammen sind das zehn Prozent aller Einwohner, wie die Zahlen des Regionalspitals Interlaken zeigen.

Beruf ist schuld

Je abgelegener die Gemeinde, desto höher die Promille. «Viele trinken, weil sie allein sind – die Mehrheit der Trinker sind Männer», sagt Heinz Schaad, Chefarzt der Medizinischen Klinik am Regionalspital Interlaken. Aber auch in touristischen Gemeinden wie Mürren oder Wengen haben übermässig viele Einwohner ein Alkoholproblem: Viele von ihnen sind Saisonniers und arbeiten im Gastgewerbe. «Sie haben jeden Tag den Alkohol vor der Nase», so Schaad weiter.

Das Spital Interlaken hat deshalb reagiert: In einem gemeinsamen Projekt mit der Stiftung Berner Gesundheit wurde das Personal geschult. «Wie oft trinken Sie?», fragen die Ärzte ihre Patienten seit drei Monaten bei der ersten Untersuchung. Es gehe nicht darum, den Pegel auf Null zu bringen, sondern dass die Betroffenen ihren Konsum hinterfragen, erklärt Chefarzt Schaad. Daher sollen künftig auch Workshops mit Hausärzten folgen. «Alkoholismus ist immer noch ein Tabuthema – die Ärzte müssen aktiver auf die Patienten zugehen.»

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