Aktualisiert 06.04.2010 12:15

US-Angriff«Fackle sie alle ab!»

Dieses Video hätte die Welt nie sehen sollen: US-Kampfpiloten lachen während eines Angriffs «über die toten Bastarde» und «schiessen noch ein bisschen weiter». Zwölf Menschen sterben – darunter auch zwei Journalisten.

von
amc/mlu

(Quelle: wikileaks.com/youtube.com)

Es ist ein verstörendes Video, das die Whistleblower-Plattform «Wikileaks» am Montag veröffentlicht hat. Die geheimen Aufnahmen des US-Militärs dokumentieren den genauen Hergang eines Helikopter-Angriffs am 12. Juli 2007 in Bagdad. Die Kampfhubschrauber fliegen über einer Gruppe von Männern: «Das ist eine Waffe», kommentiert die Zentrale die Videoaufnahme von der Bordkamera des Helikopters. «Ja», bestätigt der Pilot und bittet um die Erlaubnis anzugreifen. «Du bist ‚Clear' [Feuer frei]», heisst es einige Augenblicke später. Eine Salve aus dem 30-Millimeter-Maschinengewehr des Helikopters erklingt. Im Hintergrund ist im Funk der Dialog der Besatzung zu hören: «Lasst uns schiessen!» «Fackle sie alle ab!» «Komm schon, schiess!» «Weiterschiessen, weiterschiessen!» «Weiterschiessen!» «Weiterschiessen!»

Pilot lacht während des Angriffs

Mehr als eine halbe Minute feuert die Helikopter-Besatzung auf die Gruppe. Was sie zu diesem Zeitpunkt offenbar nicht wissen: Die mutmassliche Waffe ist die Kamera eines Reuters-Journalisten. Er und ein weiterer Kollege werden getroffen. Das Militär soll beim Angriff an diesem Tag insgesamt über ein Dutzend Menschen getötet haben. Nach Angaben von «Wikileaks» wurden auch zwei Kinder schwer verletzt. «Alles klar, hahaha, ich hab sie erwischt ...», meldet der Pilot über Funk. «Wir haben etwa, uh, acht Individuen.» «Wir schiessen noch ein bisschen weiter», sagt der Pilot. Eine weitere Salve aus dem Maschinengewehr erklingt. «Oh ja, schau dir diese toten Bastarde an.» «Hübsch.»

Video ist echt

Das Video hat die Bordkamera einer der beiden Kampfhelikopter aufgenommen. Nach Angaben von «Wikileaks» soll ihr das Video aus Militärkreisen zugespielt worden sein. Die Nachrichtenagentur Reuters soll nach dem Zwischenfall 2007 die Herausgabe des Videos gefordert haben – unter Berufung auf den «Freedom of Information Act». Das amerikanische Militär habe sich aber geweigert. Vom Video gibt es zwei Versionen: Eine 38-minütige Originalfassung und eine zweite, kürzere und kommentierte Version, welche auf der Internetseite von Wikileaks veröffentlicht ist.

In der Vergangenheit machte Wikileaks immer wieder durch die Veröffentlichung brisanter Dokumente von sich reden. Zuletzt hatte die Website im November Schlagzeilen gemacht, weil dort eine halbe Million Textnachrichten vom 11. September 2001 veröffentlicht wurden. Die teils privaten, teils aus Regierungsquellen stammenden Meldungen zeichnen ein beklemmendes Bild der Terroranschläge, wie 20 Minuten Online berichtete.

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