Schiffsunglück: Fähre gekentert - Opferzahl steigt auf 240
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SchiffsunglückFähre gekentert - Opferzahl steigt auf 240

Vor der Küste der Ferieninsel Sansibar ist in der Nacht zum Samstag eine offenbar massiv überladene Fähre verunfallt. Mindestens 240 Menschen kamen ums Leben. Ein Sechsjähriger rettete seinen 18 Monate alten Bruder.

An der Küste warten Hunderte auf neue Informationen über das Fährenunglück.

An der Küste warten Hunderte auf neue Informationen über das Fährenunglück.

Der Untergang einer völlig überladenen Fähre vor Tansania hat mehr als 240 Menschen das Leben gekostet. Rund 600 Menschen konnten lebend geborgen werden, wie die Behörden am Sonntag mitteilten. Die «Spice Islanders» war am frühen Samstagmorgen in tiefen Gewässern mit starker Strömung gesunken. Nach dem Kapitän des Schiffes wurde noch gesucht.

Zugelassen war das Schiff für 600 Personen, es befanden sich aber wohl deutliche Menschen mehr an Bord. Es wurde befürchtet, dass die Zahl der Toten noch steigt. Der Überlebende Khamis Mohamed sagte, an Bord der Fähre seien hunderte Menschen mehr als die zugelassenen 600 gewesen. Ein weiterer Überlebender, Abu Saied, erklärte, die «Spice Islanders» sei so überladen gewesen, dass sich einige Passagiere in Daressalam geweigert hätten, an Bord zu gehen.

Die Fähre sollte zur Insel Pemba nördlich von Sansibar fahren, die als eines der schönsten Tauchreviere der Welt gilt. Saied sagte, das Schiff sei dann gegen 01.00 Uhr in einem Seegebiet mit starken Strömungen untergegangen.

Viele Kinder an Bord

Der 15-jährige Yahya Hussein berichtete, das Schiff habe sich merkwürdig bewegt, als ob es auf einem Zick-Zack-Kurs gewesen sei. Als er das bemerkt habe, sei er von Bord gesprungen. Wenige Minuten später habe die Fähre starke Schlagseite bekommen. Er habe überlebt, indem er sich mit drei weiteren an einer Holzplanke festgeklammert habe. Seinen Angaben zufolge waren viele Kinder an Bord der Fähre.

Der Überlebende Mwita Massoud berichtete, nachdem sich das Schiff auf die Seite geneigt habe, sei Wasser durch die Hauptkabine geschossen und die Maschinen hätten gestoppt.

Sechsjähriger rettet seinen 18 Monate alten Bruder

Einige junge Überlebende hätten grosse Tapferkeit bewiesen, erklärten die Behörden. So habe ein sechsjähriger Junge, der eine Rettungsweste hatte, seinen 18 Monate alten Bruder vier Stunden lang im Meer festgehalten, bis beide gerettet worden seien. Zwei sieben und neun Jahre alte Jungen hätten überlebt, weil sie sich an einem herum treibenden Kühlschrank festhalten konnten.

«Regierung ruft zur Ruhe auf»

Im Hafen von Stone Town versammelten sich Tausende Einwohner, um auf Nachrichten zu warten. Ein Mann sagte unter Tränen, er habe 25 Familienmitglieder verloren, darunter seine Frau, Schwestern und Enkel. Viele in der Menge schrien und weinten, viele zeigten sich empört darüber, dass die Behörden es zuliessen, dass die Fähre so massiv überladen auslaufen konnte.

Die Regierung hatte zunächst versucht, Informationen über das Fährunglück zurückzuhalten. Journalisten wurde nahegelegt, nicht darüber zu berichten. Ein Staatssekretär Mohammed Aboud Mohammed rief die Öffentlichkeit zur Ruhe auf.

(sda)

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