«Es sieht gut aus»: Fährt Buemi 2013 wieder Rennen?
Aktualisiert

«Es sieht gut aus»Fährt Buemi 2013 wieder Rennen?

Als Testfahrer ist Sébastien Buemi (23) ein Teil der Erfolgsmaschine von Red Bull. 20 Minuten erreichte den Romand am Telefon.

von
Sandro Compagno
Sébastien Buemi ist zurzeit Testfahrer bei Red Bull.

Sébastien Buemi ist zurzeit Testfahrer bei Red Bull.

Sébastien Buemi, nach drei Jahren bei Toro Rosso sind Sie dieses Jahr Testfahrer bei Red Bull. Dort werden Sie für Ihre Arbeit zwar gelobt, aber wie zufrieden sind Sie?

Sébastien Buemi: Dritter Fahrer bei Red Bull zu sein, ist gut. Red Bull ist das Nummer-1-Team der Formel 1 und ich habe einen Fuss in der Tür. Das ist wichtig – auch um nächstes Jahr in die Startaufstellung zurückzukehren.

Wie stehen Ihre Chancen auf ein Cockpit?

Es gibt Möglichkeiten. Genaueres kann ich Ihnen nicht sagen, bevor die Tinte unter einem Vertrag trocken ist. Ich kann aber sagen, dass es momentan gut aussieht.

Ich möchte trotzdem nachhaken: Würden Sie Ihren Job als Testfahrer bei Red Bull aufgeben für ein Cockpit bei Hinterbänkler-Teams wie Marussia oder HRT?

Nein, das würde ich nicht. Natürlich möchte ich wieder Rennen fahren, aber diese Teams sind einfach zu weit weg vom ganzen Rest. Richtige Rennen sind das nicht, wenn du nach 15 Runden nur noch überrundet wirst und aufpassen musst, dass du nicht im Weg stehst.

Mit anderen Worten: Sie sprechen mit einem ernsthaften, konkurrenzfähigen Team über 2013?

Ja.

Bei Red Bull arbeiten Sie viel im Simulator. Ich habe gelesen, dass Sie die Fahrstile der Piloten Sebastian Vettel und Mark Webber sehr gut simulieren können. Wie geht das?

Mein Stil ist jenem von Vettel sehr ähnlich. Webber ist aggressiver, er mag es, wenn der Wagen übersteuert. Aber ich bin in der Lage, meinen Fahrstil gemäss den Wünschen der Ingenieure zu adaptieren. Das Ziel im Simulator ist, das Auto schneller zu machen. Und das läuft momentan sehr gut. Nur schon zwei Zehntel sind in der Formel 1 sehr viel Zeit.

Sie sind dieses Jahr in Le Mans einen Toyota gefahren. Wo liegen für Sie als Pilot die Hauptunterschiede zwischen einem 24-Stunden-Rennen und der Formel 1?

In Le Mans fährst du mit Dach, das ist ein Riesen-Unterschied. Ausserdem sind die Autos langsamer – nicht unbedingt auf der Gerade, wo wir über 300 km/h erreichen, aber in den Kurven. Und die Autos sind weniger am Limit als in der Formel 1, schliesslich müssen sie 24 Stunden halten. Dadurch sind sie etwas einfacher zu fahren. Entscheidend ist, einen Kompromiss zu finden zwischen Fahrstil und Auto: Du musst schnell sein, darfst aber nicht crashen. Und du musst dauernd langsamere Autos anderer Kategorien überholen und trotzdem eine hohe Pace halten.

Genau das wurde Ihrem Teamkollegen Anthony Davidson zum Verhängnis, der nach sechs Stunden einen Unfall baute...

Ja. Als ich ihm das Auto übergeben habe, waren wir auf Platz 2. Er verunfallte dann beim Überrunden eines Ferrari. Bis dahin lief es uns sehr gut, wir konnten mit den Audis mithalten. Schade, aber Unfälle gibt es halt im Motorsport.

Zurück zur Formel 1: Wenn Sie Ihren Nachfolgern bei Toro Rosso, Jean-Eric Verge und Daniel Ricciardo beim Fahren zusehen – kommt da ab und zu Frust auf über die Absetzung?

Momentan läuft es Toro Rosso nicht gut, sie haben weniger Punkte geholt als 2011. Aber ich versuche, nicht darüber nachzudenken. Das Kapitel Toro Rosso ist für mich abgeschlossen und abgehakt. Ich konzentriere mich auf meine Arbeit bei Red Bull.

Ihr früherer Kollege Jaime Algersuari geht mit seinem Frust offenbar anders um. Er hat die Scuderia unlängst kritisiert.

So läuft es nun mal in der Formel 1. Ich bin Red Bull dankbar, das Team hat mir sehr geholfen. Über den Abgang bei Toro Rosso möchte ich nicht sprechen. Es ist, wie es ist. Ich kann es nicht ändern.

Muss man als Schweizer schneller sein als beispielsweise ein Deutscher, Brite oder Brasilianer, um sich in der Formel 1 zu etablieren?

Für einen Schweizer ist es sicher etwas schwieriger. Du hast weniger Leute, die dich unterstützen. Dabei gibt es grosse Firmen in der Schweiz, die sich in der Formel 1 engagieren – die UBS ist ein grosser Sponsor. Aber als Pilot erhält man von dort keine Unterstützung. Ich bin froh, dass ich persönliche Sponsoren wie Motorex, Audemars Piguet und «Pain paillasse» habe – alles Schweizer Firmen.

Zur Zeit laufen in London die Olympischen Spiele. Verfolgen Sie sie?

Ja. Ich habe Ferien und schaue mir viel am TV an. Ich habe die 100 m gesehen, Federer und Schwimmen. Olympia interessiert mich, gerade auch Sportarten, die ich gar nicht so kenne. Ich habe Turnen geschaut und Landhockey (lacht). Das war spannend.

Sie sind ein eifriger Twitterer mit über 60 000 Followern. Haben Sie die Twitter-Affäre im Schweizer Fussball mitbekommen?

Habe ich, ja. Das wahre Problem bei diesen sozialen Medien ist, dass wenn du einen Fehler machst, dieser einfach haften bleibt. Du musst wahnsinnig aufpassen, was du von dir gibst.

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