29.06.2016 11:08

Bezirksgericht DietikonFälscher stellte fast perfekte Blüten her

Um seine Kokainsucht zu finanzieren, hat ein Ex-Fussballer gefälschte Geldnoten für rund 30'000 Franken hergestellt. Statt ins Gefängnis muss er in den Drogenentzug.

von
Attila Szenogrady
Das Bezirksgericht Dietikon verurteilte einen Geldfälscher.

Das Bezirksgericht Dietikon verurteilte einen Geldfälscher.

Keystone/Walter Bieri

Präsident Stephan Aeschbacher sorgte am Dienstag vor dem Bezirksgericht Dietikon für eine Premiere. So teilte er an die anwesenden Gerichtsberichterstatter während der Verhandlung je eine 200-Franken-Note aus – nicht etwa als Belohnung für einen seriösen Bericht, sondern als praktische Anschauung.

Der Schreibende kann nur bestätigen, dass der Schein tatsächlich echt aussah. Er hätte nicht bemerkt, dass er eine gefälschte Blüte in den Händen hielt. Auch Gerichtspräsident Aeschbacher sprach von «sehr guten Falsifikaten» des heute 43-jährigen Italieners, der vor über 20 Jahren Karriere beim FC Zürich machen wollte.

Blüten für 30'000 Franken

Die Anklageschrift schilderte, wie der Beschuldigte an seinem damaligen Wohnort in Dietikon zwischen Juli 2014 und März 2015 regelmässig und professionell 142 Schweizer Banknoten herstellte, wobei er echte Scheine mit einem Tintenstrahldrucker auf normales A4-Papier kopierte und die fehlenden Sicherheitsfäden mit einem Goldstift imitierte. Jedenfalls war die Qualität der Fälschungen täuschend echt.

Laut Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis konnte er Blüten für rund 30'000 Franken herstellen und den grössten Teil davon in Umlauf bringen. Am 26. März 2015 wurde er erwischt und festgenommen.

Tatmotiv: Kokainsucht

Der umfassend geständige Geldfälscher machte seinen massiven Kokainkonsum für seine Taten verantwortlich: «Die Sucht war stärker als ich», erklärte der Vater von zwei Kindern. Mit dem Falschgeld habe er seine Drogenkäufe finanziert, erklärte er. Das sei zum Schluss so weit gegangen, dass nur noch seine schwangere Frau gearbeitet habe und er tagsüber vollgedröhnt im Bett gelegen sei, erinnerte er sich zurück.

Die Anklageschrift des Staatsanwaltes Martin Dübendorfer zählte auch weitere Delikte auf. So fuhr der Beschuldigte trotz des entzogenen Führerausweises immer wieder mit einem Auto herum. In einem Fall lieferte er der Polizei sogar eine Verfolgungsjagd und fuhr dabei mit rund 30 km/h über ein Trottoir. Hinzu kamen Diebstahl, Tätlichkeiten und das Fälschen von Mobiltelefonverträgen.

Therapie statt Knast

Da das Verfahren im Rahmen eines abgekürzten Verfahrens stattfand, kam es zu einem kurzen Prozess. Dabei wurde der Beschuldigte wegen mehrfacher Geldfälschung, Verkehrsdelikten, in Umlaufsetzen falschen Geldes und diversen weiteren Vergehen zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 20 Monaten verurteilt. Allerdings schoben die Richter den Strafvollzug zugunsten eines bereits begonnenen stationären Drogenentzugs auf.

Präsident Aeschbacher machte dem Italiener klar, dass die Therapie länger dauern könnte als der Strafvollzug. Das sei ihm egal, erklärte dazu der Beschuldigte. Hauptsache, er komme von den Drogen weg. Er sei erst im Alter von 28 Jahren auf den Geschmack von Kokain gekommen. Seine Fussball-Karriere habe er schon vorher wegen Rückenproblemen abbrechen müssen. Er wolle jetzt nur noch ein normales Leben führen.

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